Lungenkrebs: Stereotaktische Bestrahlung auch im Frühstadium eine Alternative zur Operation

Berlin – Die stereotaktische ablative Radiotherapie hat in ersten klinischen Studien bei Lungenkrebs im Frühstadium bessere Ergebnisse erzielt als eine Operation. Dabei handelt es sich um eine relativ neue Technik, die eine millimetergenaue Bestrahlung von Tumoren ermöglicht. Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) sieht die Behandlung als eine schonende Alternative zur Operation, fordert allerdings weitere Studien, um den genauen Stellenwert zu ermitteln.

Die Zahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen liegt laut Krebsregistern in Deutschland für das Jahr 2014 bei insgesamt rund 55 600. Da Lungenkrebs anfangs keine Beschwerden verursacht, entdecken Ärzte und Betroffene die Erkrankung in vielen Fällen erst spät. Dann ist die Aussicht auf Heilung nicht gut. Das Lungenkarzinom ist daher die mit Abstand häufigste Krebstodesursache bei Männern (mit einem Anteil von 25 Prozent) und die dritthäufigste bei Frauen (14 Prozent).

Ein Lungenkrebs im Frühstadium kann jedoch häufig geheilt werden. Die Standardtherapie ist derzeit eine sogenannte Lobektomie: Die Chirurgen entfernen dabei den gesamten Lungenlappen, in dem sich der Tumor befindet, sowie die benachbarten Lymphknoten. „Die Heilungschancen wurden als höher eingestuft als bei einer Radiotherapie, bei der nicht geprüft werden kann, ob alle Krebszellen durch die Strahlung abgetötet wurden“, erläutert Professor Dr. med. Michael Flentje, Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Würzburg. Eine Bestrahlung erhalten derzeit vorwiegend Patienten, für die eine Operation zu riskant wäre. Diese Einschätzung wird durch die stereotaktische ablative Radiotherapie (SABR) zunehmend infrage gestellt. „Mit der SABR werden die Strahlen millimetergenau auf den Tumor fokussiert. Es sind deshalb wesentlich höhere Strahlendosierungen möglich“, erläutert Professor Flentje: „Die Erfahrungen bei inoperablen Patienten haben gezeigt, dass die Tumorkontrolle und damit die Chance auf eine Heilung bei über 90 Prozent liegen.“

Rückblickende Vergleiche hatten diese Einschätzung auch für operable Patienten in den letzten Jahren zunehmend gestützt. Drei Studien haben aktuell Operation und stereotaktische Bestrahlung direkt und mit zufälliger (randomisierter) Zuteilung bei Patienten verglichen, die noch operiert werden konnten. „Alle Studien mussten vorzeitig abgebrochen werden, weil zu wenige Patienten sich auf einen solchen Vergleich einlassen wollten“, berichtet der Strahlentherapeut. „Die Angst, eventuell durch eine Radiotherapie die Chance einer sicheren Heilung aufzugeben oder die Furcht vor einer eingreifenden Operation, waren im Einzelfall wohl zu groß.“

Forscher aus den Niederlanden haben nun die Daten von 58 Patienten aus zwei der drei Studien näher untersucht. Die aktuell in der Fachzeitschrift Lancet Oncology veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die Bedenken bezüglich der Strahlentherapie unbegründet sind. Nach der Operation starben in den ersten drei Jahren sechs von 27 Patienten, davon zwei am ursprünglichen Lungenkrebs und einer an einem neu entstandenen Lungenkrebs. Unter den 31 Patienten, die eine stereotaktische Bestrahlung erhalten hatten, gab es nur einen Todesfall. Hier war der Tumor trotz Radiotherapie weiter gewachsen.

„Wir wissen noch nicht endgültig, ob die Radiotherapie mit SABR der Operation gleichwertig oder überlegen ist. Das müssen weitere Studien klären“, kommentiert DEGRO-Pressesprecher Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim. „Wir sind aber der Ansicht, dass die SABR zumindest gleichwertig ist.“ Ganz sicher sei sie für viele Patienten die schonendere Therapie. Eine Lungenoperation kann auch für körperlich fitte Patienten eine große Strapaze sein. Der Verlust von einem der insgesamt fünf Lungenlappen beschränkt auf Dauer die Sauerstoffzufuhr, was langfristig die Lebensqualität der Patienten herabsetzen kann.

Literatur:

J. Y. Chang, S. Senan, M. A, Paul et al.: Stereotactic ablative radiotherapy versus lobectomy for operable stage I non-small-cell lung cancer: a pooled analysis of two randomised trials. Lancet Oncol 2015; 16: 630–37. DOI: 10.1016/S1470-2045(15)70168-3. Abstract

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressemitteilung
Dagmar Arnold, Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.


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Erbgut von Lungenkrebs erfolgreich entschlüsselt

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Köln haben Veränderungen in zwei Untergruppen von Tumoren der Lunge entdeckt. Im Rahmen der weltweit ersten Studie ihrer Art wurde das komplette Erbgut von 110 kleinzelligen Lungentumoren entschlüsselt und neue Kandidaten als therapeutische Ziele identifiziert. Die Ergebnisse werden heute (13.07.2015) in dem renommierten britischen Wissenschaftsmagazin „Nature“ publiziert. Die Deutsche Krebshilfe förderte die Forschung seit 2012 mit über zwei Millionen Euro.

Neuroendokrine Tumore (NET) kommen zusätzlich zum Magen-Darm-Bereich vor allem in der Lunge vor. Forscherteams der Kölner Universität und Uniklinik Köln untersuchten gemeinsam mit Krebszentren aus der ganzen Welt zwei Untergruppen der Lunge: den „kleinzelligen Lungenkrebs“ (small cell lung cancer), die aggressivste Variante von Lungenkrebs, der circa 15 Prozent aller Lungenkrebsdiagnosen ausmacht und ausschließlich bei langjährigen, starken Rauchern beobachtet wird. Hier wachsen die bösartig veränderten Zellen sehr schnell und reagieren zwar zunächst sehr gut auf eine Chemotherapie. Trotzdem ist diese Erkrankung in den allermeisten Fällen unheilbar und führt schnell zum Tod. Die zweite untersuchte NET-Untergruppe ist das sogenannte Karzinoid der Lunge, das nur bei rund zwei Prozent der Betroffenen vorkommt, eher langsam wächst und auch fast nie Metastasen ausbildet.

Unter der Leitung von Prof. Dr. Roman Thomas, Abteilung Translationale Genomik, wurden erstmalig die DNA-Sequenzen des kompletten Erbgutes von 110 kleinzelligen Lungentumoren untersucht. Durch die vollständige genomische Analyse gelang es den Wissenschaftlern, biologische Schlüsselprozesse aufzuklären und gemeinsame Muster in den Veränderungen des Erbgutes aufzuzeigen. So konnten in allen Fällen eine Inaktivierung der Gene RB1 und TP53 nachgewiesen werden, die für die Kontrolle des Zellwachstums verantwortlich sind. Darüber hinaus wurden zahlreiche neue Gene entdeckt, deren biologische Funktionen noch weitgehend unklar sind.

Im Vergleich dazu zeigte die genomische Analyse der Lungenkarzinoide zahlreiche Unterschiede, sowohl in ihrem feingeweblichen Aufbau als auch in ihrem biologischen Verhalten. Mutationen in den Kontrollgenen RB1 und TP53 traten bei den Karzinoiden nur sehr selten auf. „Jedoch haben wir häufig Mutationen in einer anderen Gruppe von Genen gefunden, die eine Rolle bei der Zugänglichkeit der DNA für nachgeschaltete molekulare Prozesse spielen“, erläutert Prof. Dr. Reinhard Büttner, Leiter der Pathologie an der Uniklinik Köln und Co-Autor bei beiden Studien.

Die unterschiedlichen Studienergebnisse machen deutlich, dass Lungenkarzinoide keine frühen Vorläufer anderer neuroendokriner Tumore wie dem kleinzelligen Lungenkrebs sind, sondern durch unabhängige zelluläre Mechanismen entstehen. „Daher ist unser weiteres wissenschaftliches Interesse ganz klar auf die Entstehung und Evolution der verschiedenen Untergruppen des Lungenkrebses ausgerichtet“, erläutert Dr. Martin Peifer, Leiter der Arbeitsgruppe Computational Biology in der Abteilung Translationale Genomik und ebenfalls Co-Autor der beiden Studien.

„Unsere nächsten Schritte zum Verständnis der biologischen Rolle der genetischen Muster sind weitere Untersuchungen, um die Funktion auch der bisher weniger bekannten Gene in der Krebsentwicklung zu verstehen. Hierbei haben wir immer das Ziel, schnell eine individuelle Behandlung für die Patienten zu ermöglichen – auch im Sinne einer maßgeschneiderten Tumortherapie“, sagt Prof. Thomas. Erwartungen hinsichtlich baldiger Durchbrüche dämpfte er jedoch: „Wir stehen erst am Anfang und müssen noch viel grundlegende Arbeit leisten, bis wir die Funktion dieser Gene in dem Tumor wirklich verstehen.“

Die Studien zum kleinzelligen Lungenkrebs und zu den Karzinoiden der Lunge konnten nur durch die finanzielle Unterstützung der Deutschen Krebshilfe durchgeführt werden. Neben den Arbeitsgruppen von Prof. Thomas haben auch die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Peter Nürnberg an der Universität zu Köln und Dr. Peifer sowie Prof. Büttner an der Uniklinik Köln sowie die Arbeitsgruppe Prof. Martin Vingron am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin an der Entschlüsselung der genetischen Grundlagen der Tumorarten gearbeitet. Die hohe Zahl an Gewebeproben kam nur dank der guten Kooperation mit mehr als 20 Zentren weltweit zustande.

Originalveröffentlichungen:
Comprehensive genomic profiles of small cell lung cancer, George et al., Nature, 2015.
Frequent mutations in chromatin-remodelling genes in pulmonary carcinoids, Fernandez-Cuesta et al., Nature Communications, 2014.

Für Rückfragen:
Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation und Marketing
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Dr. Graziella Bosco
Abteilung Translationale Genomik
Universität zu Köln
Telefon: 0221 478-96861
E-Mail: gbosco@uni-koeln.de

Gwydion Brennan
Pressereferent
Deutsche Krebshilfe
Telefon: 0228 72990-274
E-Mail: brennan@krebshilfe.de

Pressemitteilung
Uniklinik Köln, Christoph Wanko


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Neuer Bluttest erkennt frühzeitig gefährliche Veränderungen

Der neue hochempfindliche Bluttest unterscheidet genau zwischen gut- und bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und erkennt gefährliche Veränderungen in frühesten Stadien. Uniklinikum Dresden

Der neue hochempfindliche Bluttest unterscheidet genau zwischen gut- und bösartigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse und erkennt gefährliche Veränderungen in frühesten Stadien.
Uniklinikum Dresden

Das von Tumorzellen in den Blutkreislauf gebrachte Eiweiß Glypican-1 bietet möglicherweise einen neuen Ansatz zur Früherkennung und besseren Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs mittels eines ungefährlichen und kostengünstigen Bluttests. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Raghu Kalluri vom MD Anderson Cancer Center an der University of Texas und von Mitarbeitern der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Ihre Erkenntnisse präsentieren die Forscher jetzt in der renommierten Fachzeitschrift Nature (doi:10.1038/nature14581).

Glypican-1 (GPC-1) wird auf der Oberfläche von Tumorexosomen gebildet. Bei Exosomen handelt es sich um Membranbläschen in der Größe von Viren. Sie werden von Tumorzellen milliardenfach gebildet und in die Blutbahn abgesondert. Dabei transportieren sie Fragmente von Desoxyribonukleinsäuren (DNS), Ribonukleinsäuren (RNS) und Eiweißen, welche spezifisch für ihre Ursprungszellen sind. Diese Eigenschaften machten sich die Wissenschaftler zunutze, indem sie krebsspezifische Exosome aus dem Blut von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Hilfe des Eiweißes GPC-1 isolierten.

Dabei waren GPC-1-beladene Exosome im Blut von 250 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs deutlich erhöht im Vergleich zu gesunden Spendern oder zu Patienten mit einer gutartigen Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Dieses Ergebnis ließ eine sehr akkurate Unterscheidung mit einer 100-prozentigen Sensitivität und Spezifität zwischen Patienten mit einer bösartigen Erkrankung und Patienten mit einer gutartigen Erkrankung oder Gesunden zu. Zudem zeigte sich in der Studie ein deutlicher Abfall von GPC-1 beladenen Exosomen im Blut von Patienten, nachdem sie sich einer Bauchspeicheldrüsenoperation zur Tumorentfernung unterzogen hatten. Damit haben GPC-1-beladene Exosome eine deutlich höhere diagnostische Aussagekraft als der Standardtumormarker CA-19-9, welcher nur bei 80 Prozent der Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöht ist sowie auch bei einigen Patienten mit einer gutartigen Bauchspeicheldrüsenerkrankung.

Exosome sind aufgrund ihrer doppelwandigen Lipidschicht sehr stabil und lagerungsbeständig. Bei einer Kühltemperatur von 4°C können sie bis zu 96 Stunden unbeschadet aufbewahrt werden. Bei einer Lagerung von minus 70 bis minus 80°C können sie über mehrere Jahre konserviert werden. Zudem sind nur wenige Tropfen Blut erforderlich, um den Gehalt von GPC-1-beladenen Exosomen im Serum zu messen. „Dieses ist ein deutlicher Vorteil gegenüber anderen Tumormarkern wie zum Beispiel zirkulierenden Krebszellen. Deren Nachweis ist sehr schwierig und es muss deutlich mehr Blut vom Spender entnommen werden“, erklärt Dr. Christoph Kahlert, einer der beteiligten Wissenschaftler der Studie. Er arbeitet jetzt an der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden, war aber zu Beginn der Studie noch am MD Anderson Cancer Center in den USA tätig.

Exosome von Tumorzellen können zudem nicht nur zur reinen Diagnostik verwendet werden: durch Analyse der DNS, RNS oder Eiweiße aus den Tumorexosomen lassen sich möglicherweise weitere Informationen über die Schwachstellen der Tumorerkrankung gewinnen, gegen die dann eine zielgerichtete, medikamentöse Therapie begonnen werden kann.

Eine weitere Verwendung könnten GPC-1-beladene Exosome bei der Früherkennung von Bauchspeicheldrüsenkrebs spielen. Das heimtückische an dieser Erkrankung ist, dass körperliche Beschwerden häufig erst dann auftreten, wenn eine Operation mit der Chance auf eine Heilung nicht mehr möglich ist. Anders als beim Darm- oder Brustkrebs gibt es auch noch keine standardisierten Vorsorgeuntersuchungen, denn die Bauchspeicheldrüse lässt sich nur mit einer strahlenbelastenden Computertomographie oder mit einer aufwendigen und kostenintensiven Kernspintomographie (MRT) bildlich gut darstellen. Dies erschwert die Etablierung eines flächendeckenden Früherkennungsprogramms. Hier könnte möglicherweise der neue Bluttest eine Lösung anbieten. In Untersuchungen an Mäusen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs konnte gezeigt werden, dass GPC-1-beladene Exosome schon deutlich erhöht waren, wenn die Mäuse noch an Vorstufen von Krebs litten. Zudem war der Test bereits deutlich positiv, wenn in der simultanen MRT-Bildgebung noch kein Tumor nachweisbar war.

Sollten diese Ergebnisse in klinischen Studien mit Menschen bestätigt werden, könnte sie zukünftig zu einer Verbesserung der Prognose von Bauchspeicheldrüsenkrebs führen. “Je früher Bauchspeicheldrüsenkrebs oder seine Vorstufen erkannt werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der gesamte Tumor durch eine Operation entfernt werden kann. Dadurch lassen sich die Chancen auf eine Heilung deutlich verbessern bei einer Erkrankung, an der gegenwärtig 95 Prozent aller Patienten innerhalb von fünf Jahren nach Erstdiagnose versterben”, so Prof. Dr. Jürgen Weitz, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden und einer der Mitautoren der Studie.

Beteiligte Wissenschaftler vom MD Anderson Cancer Center sind Dr. Raghu Kalluri, Dr. Sonia Melo, Linda Luecke, Dr. Christoph Kahlert, Dr. Valerie LeBleu, alle vom Department of Cancer Biology; Dr. Seth Gammon und Dr. David Piwnica-Worms vom Department of Cancer Systems Imaging und Dr. Elizabeth Mittendorf, vom Department of Surgical Oncology.

Beteiligte Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden sind Prof. Dr. Jürgen Weitz, Dr. Nuh Rahbari, Dr. Christoph Reissfelder und Prof. Christian Pilarsky.

Weitere teilnehmende Partner und Co-Autoren stammen von der Universität von Oviedo, Spanien und dem Centro Nacional de Biotecnologia, Madrid, Spanien.

Publikation:
Glypican-1 identifies cancer exosomes and detects early pancreatic cancer, doi:10.1038/nature14581 Published online 24 June 2015

Kontakt:
Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
des Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
an der Technischen Universität Dresden
Dr. med. Christoph Kahlert
Tel.: +49 (0) 351 458 18276
E-Mail Christoph.Kahlert@uniklinikum-dresden.de

Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de/vtg


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Behandlung bei Prostatakrebs: OP, Bestrahlung oder Brachytherapie?

Radioonkologen empfehlen, über Nebenwirkungen intensiv aufzuklären

Berlin – Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 64 500 Männer an Prostatakrebs. Der Krebs der Vorsteherdrüse ist damit die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste Krebstodesursache bei Männern. Inkontinenz und andere Blasenstörungen gehören für diese Patienten zu den schlimmsten Folgen der Behandlung. Dies kam in einer Studie heraus, die die Lebensqualität mithilfe von Tests aus der ökonomischen Spieltheorie untersucht hat. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die Strahlentherapie gegenüber der Operation Vorteile bringt. Es kommt seltener zu Komplikationen an den Harnwegen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).

Bei Patienten mit lokal begrenztem Prostatakrebs gibt es drei Behandlungsoptionen: Bei einer Operation wird die gesamte Prostata entfernt. Da zusammen mit der Prostata auch Teile der Harnröhre und Nerven zur Steuerung der Blasenfunktion verloren gehen können, sind Harnwegskomplikationen als Folge möglich. Professor Dr. med. Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie am Universitätsklinikum Mannheim, erläutert: „In leichten Fällen ist dies eine Inkontinenz, also die fehlende Kontrolle über das Wasserlassen. In schweren Fällen kann es zu Schmerzen oder zu einer Blockade der Harnwege kommen.“

Durch eine US-amerikanische Studie zu Langzeitfolgen nach Prostatakrebstherapie aus dem Jahr 2013 weiß man, dass diese Komplikationen nach einer Strahlentherapie seltener auftreten als nach der Operation. Dies gilt sowohl für die Abtötung der Krebszellen durch eine Bestrahlung von außen (externe Strahlentherapie) als auch durch Einlage von schwach strahlenden, kleinen Jod-Stäbchen („Seeds“) in die Prostata (Brachytherapie).

Ein Team um Montse Ferrer vom Hospital del Mar Research Institute in Barcelona hat nun das Thema Nebenwirkungen und Lebensqualität bei 580 Patienten, deren Prostatakrebs durch eine Operation, eine externe Strahlentherapie oder mit Brachytherapie behandelt wurde, mit Hilfe von Tests aus der ökonomischen Spieltheorie untersucht. Im ersten Test, dem „Time-Trade-Off“, wurden die Patienten nach der Behandlung gefragt, wie viele Jahre ihres Lebens sie dafür eintauschen würden, wenn sie die Nebenwirkungen der Therapie nicht länger ertragen müssten.

Am ehesten waren dazu die operierten Patienten bereit, denen ein Leben ohne Operationsfolgen fünf Prozent der restlichen Lebenszeit wert war. Nach einer Brachytherapie waren die Patienten nur zu einer Verkürzung der Lebenszeit um drei Prozent bereit.

Im zweiten Test sollten die Patienten angeben, welchen Anteil eines fiktiven Monatseinkommens von 1000 Euro sie für eine Beschwerdefreiheit bezahlen würden. Die operierten Patienten gaben im Durchschnitt an, 47 Euro zu zahlen, während die Patienten, die eine Brachytherapie erhalten hatten, 16 Euro weniger auszugeben bereit waren. Die extern bestrahlten Patienten gaben 30 Euro als Summe an. Im dritten Test wurde den Patienten eine fiktive Therapie angeboten, die die Komplikationen beseitigt, dafür aber mit einem Sterberisiko verbunden war. Patienten mit Komplikationen waren hier bereit, ein deutlich höheres Risiko einzugehen.

Patienten mit ausgeprägten Harnwegssymptomen nach der Operation wären eher bereit, Geld oder Lebenszeit zu investieren oder sogar ein Lebensrisiko einzugehen, um von ihren Beschwerden befreit zu werden, als diejenigen, die durch eine der beiden Formen der Strahlentherapie behandelt worden waren. Störungen der Darmkontrolle und der Sexualfunktion wurden dagegen von allen Patienten eher akzeptiert.

„Es ist bekannt, dass Harnwegskomplikationen nach der Operation häufiger auftreten können als nach einer externen Bestrahlung oder einer Brachytherapie“, erläutert DEGRO-Sprecher Wenz. „Die jetzige Studie zeige, dass Inkontinenz und Harnverhalt sehr stark auf die Lebensqualität einwirken und von vielen Patienten als sehr belastend empfunden werden. Vor Beginn der Behandlung sollten Patienten daher genau über mögliche Komplikationen und deren Auswirkung auf die Lebensqualität der jeweiligen Behandlungsmethode informiert werden, rät der Radioonkologe.

Literatur:

Ávila M, Becerra V, Guedea F, Suárez JF, Fernandez P, Macías V, Mariño A, Hervás A, Herruzo I, Ortiz MJ, Ponce de León J, Sancho G, Cunillera O, Pardo Y, Cots F, Ferrer M; Multicentric Spanish Group of Clinically Localized Prostate Cancer. Estimating preferences for treatments in patients with localized prostate cancer. International Journal of Radiation Oncology*Biology* Physics 2015; 91: 277-87.Abstract

Zur Strahlentherapie:

Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressemitteilung
Dagmar Arnold, Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.


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Ergänzendes Behandlungsverfahren bei Brustkrebs: Haare bleiben trotz Chemotherapie

MHH-Frauenklinik erzielt gute Erfolge mit Kopfhautkühlung / Sensorgesteuerte Silikonhaube schützt die Haarwurzeln

Patientin Sabine G. (vorn) mit der Silikonhaube „DigniCap“ sowie Brigitte Rode, Professorin Park-Simon und Dr. Holthausen-Markou (v. l.). - Quelle „MHH/Kaiser“

Patientin Sabine G. (vorn) mit der Silikonhaube „DigniCap“ sowie Brigitte Rode, Professorin Park-Simon und Dr. Holthausen-Markou (v. l.). – Quelle „MHH/Kaiser“

Etwa 71.000 Frauen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Brustkrebs. Viele von ihnen müssen sich einer Chemotherapie mit belastenden Nebenwirkungen unterziehen. Als eine schlimme Begleiterscheinung empfinden die meisten den Verlust der Haare. Die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erprobt seit einem Jahr das Behandlungskonzept „DigniLife“, mit dem der Haarausfall deutlich vermindert werden kann. Es beruht auf der sensorgesteuerten Kühlung der Kopfhaut während der intravenösen Verabreichung der Chemotherapie. „Wir haben damit bisher 19 Patientinnen therapiebegleitend behandelt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Die meisten Frauen waren damit sehr zufrieden“, sagt Professorin Dr. Tjoung-Won Park-Simon, stellvertretende Klinikdirektorin und Bereichsleiterin Gynäkologische Onkologie. Die Erfahrungen an der MHH-Frauenklinik bestätigen die Studien des Herstellers. Die MHH ist die einzige medizinische Einrichtung in Niedersachsen, an der die Kopfhautkühlung angeboten wird.

Haare stehen nicht nur für Schönheit

Die Haare sind für viele Frauen Ausdruck von Weiblichkeit. Während einer Chemotherapie, die ohnehin die Lebensqualität erheblich vermindert, kommt den Haaren eine über die Schönheit hinausgehende Bedeutung zu. „Den Haarausfall erleben die betroffenen Frauen oft als Stigmatisierung“, erklärt Dr. Sophia Holthausen-Markou, Oberärztin an der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Die Gynäkologin unterstützt die Brustkrebspatientinnen in allen Behandlungsphasen psychotherapeutisch, psychosomatisch und psychoonkologisch. Ohne Haare wird die Erkrankung für das gesamte soziale Umfeld offensichtlich. „Die Betroffenen können nicht mehr darüber entscheiden, wer von der Krankheit erfahren soll und wer nicht. Das ist ein erheblicher Verlust an Selbstbestimmung. Ohne Haare zu leben, lässt sich darüber hinaus nur schwer ins ohnehin veränderte Körperbild integrieren“, sagt Dr. Holthausen-Markou.

Kälte schützt die Haarwurzeln

Wenn die Haare erhalten bleiben können, ist das ein großer Gewinn für die Patientinnen. Das Prinzip der Kopfhautkühlung zur Vorbeugung des Haarverlusts ist nicht neu. Bereits in den siebziger Jahren gab es dazu erste Schritte. An der MHH-Frauenklinik wurden Hauben zur Kühlung der Kopfhaut auch in den neunziger Jahren schon einmal eingesetzt – ohne den gewünschten Erfolg. Gute Ergebnisse erzielen Ärzte und Pflegekräfte nun mit der neuen Gerätegeneration und dem „DigniLife“-Konzept der Firma Sysmex. Das Gerät in der MHH wurde von der privaten Stiftung Roparun gespendet. Wesentlicher Bestandteil ist eine Silikonkappe, die die Patientin während der intravenösen Verabreichung der Chemotherapie trägt. Mithilfe dieser Kappe wird die Kopfhaut sensorgesteuert gleichmäßig, konstant und flächendeckend auf drei bis fünf Grad Celsius gekühlt. „Durch die Kälte verengen sich die örtlichen Blutgefäße und der Stoffwechsel wird heruntergefahren“, erläutert Professorin Park-Simon. „Dadurch wird das Medikament lokal nicht so gut aufgenommen und kann auch nicht in vollem Umfang wirken. So werden die Haarwurzeln geschont.“ Ganz verhindert werden kann der Haarverlust nicht, aber es fallen deutlich weniger Haare aus. Mehr als die Hälfte der Patientinnen, die sich für die Kopfhautkühlung entscheiden, können auf eine Ersatzkopfbedeckung wie Perücke, Kopftuch oder Hut verzichten. „Besonders gut ist der Erfolg bei unserer am häufigsten angewendeten Standardtherapie bei Brustkrebs“, stellt Professorin Park-Simon fest.

Gewinn an Lebensqualität

So war es auch bei Sabine G. Bei der 48-jährigen Hannoveranerin wurde im September 2014 Brustkrebs festgestellt. „Die Diagnose ist ein großer Schock und die psychische Belastung während der Krankheit enorm“, sagt sie. Als sie von der Möglichkeit hörte, während der Chemotherapie die Haare zu behalten, wollte sie das Angebot der Kopfhautkühlung unbedingt wahrnehmen. „Bei mir hat das Verfahren gut funktioniert. Mein Haar wurde zwar dünner, aber ich habe nie einen Hut oder ein Kopftuch gebraucht“, erinnert sie sich. „Für mich war es ein großer Gewinn an Lebensqualität, nicht für alle sichtbar mit der Krebserkrankung herumlaufen zu müssen. Der Haarerhalt war für mich auch ein Erhalt meiner Würde.“ Die Haare waren für Sabine G. in der Situation ein Stück normales Leben. „Dieses Stück Normalität trägt auch zur Genesung bei“, ist sie überzeugt.

Keine Kassenleistung

Eine Chemotherapie bei Brustkrebs dauert durchschnittlich ein halbes Jahr. Die an der MHH am häufigsten durchgeführte Therapie bei Brustkrebs umfasst 16 Infusionen mit Zytostatika. Die Kopfhautkühlung während der intravenösen Verabreichung kostet pro Anwendung 85 Euro und wird nicht von den Krankenkassen erstattet. Trotzdem ist das Interesse an der Kopfhautkühlung groß. 60 bis 70 Prozent der betroffenen Frauen möchten das Angebot wahrnehmen. Das Gerät, an dem jeweils zwei Patientinnen gleichzeitig behandelt werden können, ist fast ausgelastet. Die Anwendung ist gut verträglich. „Insgesamt wird das Verfahren sehr gut toleriert“, sagt Dipl.-Sozialpädagogin Brigitte Rode, die die Patientinnen psychoonkologisch betreut. Die Kühlung der Kopfhaut beginnt bereits eine halbe Stunde vor der Infusion und wird noch etwa eine Stunde danach aufrechterhalten. „Einige Frauen klagen zu Beginn der Anwendung über Kopfschmerzen, doch die meisten sind davon überrascht, wie gut sie die Kälte aushalten“, erklärt Brigitte Rode. So erging es auch Sabine G. „Es gab einen kurzen Moment, in dem ich dachte, jetzt wird es gleich unangenehm. Aber dann stieg die Temperatur um einen halben Grad und es war wieder gut zu ertragen.“ Sie ist froh darüber, dass es die Möglichkeit, die Haare zu behalten für sie gab. „Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Frauen diese Chance haben und das Gerät ausprobieren können.“

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Dr. Tjoung-Won Park-Simon, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Telefon (0511) 532-9545, park-simon.tjoung-won@mh-hannover.de und bei Brigitte Rode, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Telefon (0511) 532-6038, rode.brigitte@mh-hannover.de.

Pressemitteilung
Medizinische Hochschule Hannover, Stefan Zorn


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Ein Jahr krebsinformationsdienst.med – Fachkreise schätzen das Angebot

Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums bietet umfassende Informationen zum Thema Krebs per Telefon, E-Mail und Internet. Unter dem Namen „krebinformationsdienst.med“ steht dieser Dienst seit einem Jahr auch allen, die an der Versorgung von Krebspatienten beteiligt sind, zur Verfügung – mit einer eigenen Servicenummer und E-Mail-Adresse.

In der Hektik des klinischen Alltags fehlt Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischem Pflege- und Fachpersonal häufig die Zeit für eigene Recherchen zu den onkologischen Fragestellungen, mit denen sie bei der Versorgung ihrer Patienten konfrontiert sind. Um sie in ihrer Arbeit zu unterstützen, startete das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg vor einem Jahr den „krebsinformationsdienst.med“. Die Bilanz ist ausgesprochen positiv: Das Angebot stößt auf reges Interesse bei den Profis und die Nutzer sind sehr zufrieden.

Unter der kostenfreien Servicenummer 0800 – 430 40 50 (Mo bis Fr 8.00 – 20.00 Uhr) oder per E-Mail unter kid.med@dkfz.de beantwortete das ärztliche Team des Krebsinformationsdienstes im vergangenen Jahr mehr als 1.600 Anfragen rund um die Versorgung von Krebspatienten – auf Wunsch unter Angabe der Referenzen. Die evidenzbasierte KID-Wissensdatenbank stellt die Grundlage der vermittelten Informationen dar.

„Die meisten Fachleute stellen Fragen zu einem konkreten Fall oder einer versorgungsrelevanten klinischen Situation“, berichtet Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes. „Häufig wenden sie sich per E-Mail an uns, da sie neben der eigentlichen Information auch gerne die zugrunde liegenden Literaturstellen zugesandt haben möchten.“

Bei Fachkreisen kommt das Angebot gut an: „Ich bin jedes Mal überwältigt von der Fülle der Informationen, die das KID-Team mir auf meine Anfragen in kürzester Zeit zur Verfügung stellt“, zeigt sich Dr. Wolfgang Blank begeistert. Der Allgemeinmediziner ist Sprecher des Fachbereiches „Evidenz-basierte Medizin in Klinik und Praxis“ des Deutschen Netzwerkes EbM e.V. „Der krebsinformationsdienst.med stellt eine hervorragende Unterstützung für meine tägliche Arbeit dar.“

Der Krebsinformationsdienst ist seit 1986 Anlaufstelle für alle Fragen zu Krebs. Im Internet bietet der Krebsinformationsdienst aktuelles Wissen, nützliche Tipps, Adressen, Linktipps und Hinweise auf Fachquellen. Am Telefon, per E-Mail sowie in Sprechstunden in Heidelberg und Dresden beantwortet der Dienst Fragen von Ratsuchenden. Im sozialen Netzwerk „Facebook“ vermittelt er aktuelle Nachrichten und lädt zur Diskussion ein. Der Krebsinformationsdienst ist ein kostenfreies Angebot des Deutschen Krebsforschungszentrums, finanziert aus öffentlichen Mitteln. Er kann daher unabhängig informieren, frei von Interessenkonflikten und ohne Werbung.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42-2854
F: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de

E-Mail: presse@dkfz.de

www.dkfz.de


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Gemeinsam Zeichen setzen: Welthirntumortag am 8. Juni

Leipzig, 26.05.2015 – Wird das Gehirn durch einen Tumor bedroht, ist das für die Patienten und ihre Familien eine extreme Belastung. Auf diese schwierige Situation macht die Deutsche Hirntumorhilfe jedes Jahr am 8. Juni mit dem Welthirntumortag aufmerksam. Ziel des Aktionstages ist es, Betroffene und die Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären.

Das Gehirn steuert unsere Gedanken und Gefühle. Es speichert unsere Erinnerungen ab und verarbeitet die Eindrücke, die wir mit unseren Sinnen aufnehmen. Viele sehen es als den Sitz unserer Seele. Doch was bedeutet es, wenn diese wichtige Schaltzentrale durch einen Tumor gefährdet wird?

Es gibt etwa 130 verschiedene Arten von Hirntumoren. Einige davon sind bösartig und nicht heilbar. Auch wenn man den Patienten ihre Krankheit von außen mitunter kaum ansieht, leiden sie oftmals unter schweren Symptomen, die von Leistungseinschränkungen über körperliche Ausfallerscheinungen bis hin zu mentalen Veränderungen reichen können.

In dieser ohnehin sehr schwierigen Situation müssen sich die Betroffenen mit einem vielschichtigen und komplexen Thema auseinandersetzen. Hier bietet der Welthirntumortag mit zahlreichen Informationsveranstaltungen rund um den 8. Juni Patienten eine gute Gelegenheit, sich über ihre Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Sie können dadurch Sorgen und Ängste abbauen und mit dem erworbenen Wissen besser eigenständige Entscheidungen über ihre Behandlung treffen. Interessierte finden alles zu den diesjährigen Aktionen unter www.hirntumorhilfe.de.

Damit Hirntumorpatienten besser geholfen werden kann, sind jedoch nicht nur Informationen wichtig – auch in Wissenschaft und Forschung gibt es noch viel zu tun. Die Therapie eines Hirntumors ist für Betroffene und Ärzte eine große Herausforderung. Um den Weg für die bestmögliche Behandlung und eine höhere Lebensqualität der Patienten zu ebnen, müssen Experten verschiedener Fachgebiete intensiv zusammenarbeiten. Gute neuroonkologische Forschung braucht mehr Unterstützung durch Verantwortliche in Politik und Wirtschaft. Daher ruft der Welthirntumortag auch diese dazu auf, die Wissenschaft stärker zu fördern.

Zum Aktionstag ist jeder herzlich eingeladen, mit der Deutschen Hirntumorhilfe ein Zeichen zu setzen. Bei den vielen bundesweiten Veranstaltungen können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen verschiedener Kliniken werfen und sich über die Erkrankung informieren. Auch Spenden für die gemeinnützige Einrichtung kommen Betroffenen zugute und zeigen ihnen, dass sie nicht alleine sind.

Veranstaltungen zum Welthirntumortag 2015:

Anlässlich des Welthirntumortages finden deutschlandweit in folgenden Städten Veranstaltungen statt:

  1. Berlin: 12.06.2015
  2. Göttingen: 12.06.2015
  3. Münster: 12.06.2015
  4. Bochum: 06.06.2015
  5. Karlsruhe: 08.06.2015
  6. Neuruppin: 06.06.2015
  7. Duisburg: 14.06.2015
  8. Köln: 03. & 12.06.2015
  9. Regensburg: 13.06.2015
  10. Erfurt: 04.07.2015
  11. Magdeburg: 30.05.2015
  12. Stuttgart: 07. & 11.06.2015
  13. Erlangen: 15.06.2015
  14. Mainz: 17.06.2015
  15. Villingen-Schwenningen: 15.06.2015
  16. Frankfurt: 13.06.2015
  17. Marburg: 05.06.2015
  18. Zweibrücken: 08.06.2015
  19. Gießen: 11.06.2015
  20. München: 12.06.2015

Hintergrundinformationen zum Welthirntumortag:

Der von der Deutschen Hirntumorhilfe e.V. initiierte Gedenk- und Aktionstag ist ein Aufruf zu Solidarität und Mitgefühl mit den Betroffenen und ihren Familien. Ein Zeichen setzen kann jeder – sei es durch das Tragen einer grauen Schleife als Symbol der Verbundenheit, durch Spenden für Betroffene, durch öffentlichkeitswirksame Aktionen oder den Besuch einer der zahlreichen Veranstaltungen, die jedes Jahr im Rahmen des Welthirntumortages deutschlandweit angeboten werden.

Für Betroffene dieser seltenen Tumorerkrankung ist es wichtig, verlässliche und aktuelle Informationen zu erhalten. Nur die Kenntnis der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten erlaubt es den Patienten, diese genau abzuwägen und den ganz eigenen Weg zu finden. Die zahlreichen Informationsveranstaltungen zum Welthirntumortag bieten hierfür eine gute und zugleich seltene Möglichkeit.

Darüber hinaus ruft der Aktionstag Verantwortliche in Politik und Wirtschaft dazu auf, die neuroonkologische Forschung aktiver zu unterstützen, um die Entwicklung innovativer Behandlungskonzepte voranzubringen. Nur durch neue Erkenntnisse und eine verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit können die Heilungschancen von Hirntumorpatienten verbessert und ihre Lebensqualität gesteigert werden.

Pressekontakt:
Melanie Thomas
Deutsche Hirntumorhilfe e.V.
Karl-Heine-Straße 27
04229 Leipzig

Telefon: 0341.590 93 96
Fax: 0341.590 93 97
E-Mail: presse@hirntumorhilfe.de

Deutsche Hirntumorhilfe e.V.
PR/Öffentlichkeitsarbeit
Karl-Heine-Straße 27
D-04229 Leipzig

Fon +49 (0)341.5 90 93 96
Fax +49 (0)341.5 90 93 97

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Hirntumoren gezielt angreifen

Beim Glioblastom, dem bösartigsten unter den Hirntumoren, suchen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum nach spezifischen Strukturen, die mit zielgerichteten Medikamenten erfolgreich angegriffen werden können. Dabei entdeckten die Forscher ein Enzym, das das Wachstum der Tumoren antreibt. Wirkstoffe, die das Enzym blockieren und bereits als Medikament zugelassen sind, könnten das Wachstum der Hirntumoren aufhalten.

Zu den vielversprechendsten Zielstrukturen für moderne, maßgeschneiderte Krebsmedikamente zählt die große Enzym-Familie der Kinasen. Sie bilden die Schaltstationen der zellulären Signalwege. Viele der in Krebszellen auftretenden Erbgutveränderungen haben zur Folge, dass diese Signalwege überaktiv sind und dadurch das Wachstum der Zellen anfeuern. Wirkstoffe, die Kinasen hemmen, blockieren die Signalweiterleitung und bremsen so die unkontrollierte Zellteilung. Einige dieser Substanzen sind bereits für die Krebstherapie zugelassen.

„Gerade bei besonders aggressiv wachsenden Krebsarten wie dem Glioblastom sind heute noch keine erfolgversprechenden Angriffspunkte für zielgerichtete Medikamente bekannt“, sagt Professor Peter Lichter aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Daher haben wir uns darauf konzentriert, nach Behandlungsmöglichkeiten für diese gefährliche Krankheit zu suchen.“

Die Forscher um Peter Lichter wollten herausfinden, wie sich der Verlust dieser Enzyme auf die Zelle auswirkt. Dazu schalteten sie in Glioblastom-Zellen von Patienten mit spezifischen RNA-Sonden jedes der Kinase-Gene einzeln aus. Dabei erwiesen sich ca. 80 der Enzyme als unentbehrlich für die Lebensfähigkeit und für das Wachstum der Glioblastomzellen.

Die Wissenschaftler ordneten die untersuchten Tumoren anhand verschiedener Merkmale zwei verschiedenen molekularen Gruppen zu, den so genannten mesenchymalen und den proneuralen Gliomen. Jeder dieser beiden Tumor-Typen, so zeigte sich, ist für sein Überleben auf ein spezifisches Set von Kinasen angewiesen.

Kennzeichnend für alle zwölf untersuchten Proben der besonders aggressiven mesenchymalen Gruppe war eine starke Überproduktion der Kinase AXL, die die Wissenschaftler bei proneuralen Gliomen oder in gesunden Gehirnzellen nicht beobachteten.

Wird AXL ausgeschaltet, sind Zellen mesenchymaler Glioblastome empfindlicher für den Zelltod Apoptose und bilden weniger Tochterkolonien. Diese Auswirkungen zeigen Krebszellen der proneuralen Gruppe nicht.

Wirkstoffe gegen AXL werden gegen Blutkrebs bereits klinisch erprobt. Das Team um die Studienleiterin Violaine Goidts fand nun heraus, dass mesenchymale Glioblastomzellen in der Kulturschale gut auf die Behandlung mit diesen Substanzen ansprechen.

Die Zellkultur-Versuche führten die Wissenschaftler an so genannten Neurosphären durch. Dazu werden Zellen aus dem Tumor eines Patienten in der Kulturschale mit bestimmten Wachstumsfaktoren gezüchtet. Die in der Zellmischung vorhandenen Krebs-Stammzellen bilden im Nährmedium dreidimensionale gewebeartige Strukturen, die eine vergleichbare Zellzusammensetzung wie der ursprüngliche Tumor besitzen. Sie sind daher besonders geeignet, um die Wirksamkeit von Medikamenten oder Wirkstoffkombinationen ohne den Einsatz von Tieren zu testen.

Mäuse, denen Glioblastome übertragen wurden, lebten länger ohne Tumorsymptome, wenn in den Krebszellen AXL stillgelegt war. Jedoch entwickelten auch diese Tiere später, nach etwa einem Monat, Tumoren – ein Hinweis darauf, dass die Kinase das Krebswachstum, nicht aber die Krebsentstehung reguliert.

Bei Analysen in molekularen Datenbanken entdeckten die Forscher bei anderen Hirntumoren sowie auch bei Bauchspeicheldrüsen-, Darm- und Eierstockkrebs Fälle mit AXL-Überexpression – die in der Regel mit einer ungünstigen Prognose einhergingen.

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es sich lohnen könnte, den AXL-Inhibitor gegen Gliobastome der mesenchymalen Gruppe klinisch zu erproben“, sagt Peter Lichter. „In diesem Fall wäre wahrscheinlich die Kombination mit anderen Wirkstoffen sinnvoll, um Resistenzentwicklungen von vornherein zu vermeiden.“

Peng Cheng, Emma Phillips, Sung-Hak Kim, David Taylor, Thomas Hielscher, Laura Puccio, Anita Hjelmeland, Peter Lichter, Ichiro Nakano und Violaine Goidts: Kinome-wide shRNA Screen Identifies the Receptor Tyrosine Kinase AXL as a Key Regulator for Mesenchymal Glioblastoma Stem-like Cells. Stem Cell reports 2015, DOI: 10.1016/j.stemcr.2015.03.005

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42-2854
F: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de

E-Mail: presse@dkfz.de

www.dkfz.de

Pressemitteilung
Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Stefanie Seltmann

 


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Lungenkrebs-Screening kann Leben retten

Europäische Gesellschaft für Radiologie und Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen sprechen sich für europaweite Vorsorgeuntersuchungen für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen aus / „White Paper“ unter Federführung der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg gibt Handlungsempfehlungen für die Politik

Die Europäische Gesellschaft für Radiologie (ESR) und die Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen (ERS) sprechen sich für Empfehlungen für Programme zur Früherkennung von Lungenkrebs aus. Ziel ist es, die Zahl der Todesfälle durch die aggressive Tumorerkrankung zu reduzieren. Grundlage ist ein so genanntes White Paper, eine aktuelle Übersicht mit Handlungsempfehlungen, verfasst unter Federführung der Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie Heidelberg. Darin geben die Fachgesellschaften Empfehlungen, wie ein Screening-Programm mittels Computertomographie europaweit bzw. in einzelnen europäischen Ländern für besonders gefährdete Personen durchgeführt werden soll. „Eine große US-amerikanische Studie belegt einen deutlichen Rückgang der Lungenkrebs-Sterblichkeit als Folge von Screeninguntersuchungen“, erklärt Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik und Erstautor der Veröffentlichung. „Qualitativ hochwertige Früherkennungsprogramme können auch in Europa die Zahl der Todesfälle durch Lungenkrebs reduzieren.“ Für das Screening sollen moderne Verfahren der Computertomographie eingesetzt werden, die mit einer besonders niedrigen Strahlendosis auskommen.

An Lungenkrebs sterben pro Jahr 1,37 Millionen Menschen weltweit, das entspricht 18 Prozent aller krebsbedingten Todesfälle. Wird die Erkrankung früh erkannt, sind die Heilungschancen am größten, im fortgeschrittenen Stadium sind die Überlebenschancen für die Patienten sehr schlecht. Das White Paper der beiden Fachgesellschaften empfiehlt das Screening nicht für die gesamte Bevölkerung, sondern nur für Personen, die ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Wer besonders gefährdet ist, an Lungenkrebs zu erkranken, ist gut bekannt: Besonders häufig sind Raucher betroffen, aber auch Menschen, die z.B. beruflich durch bestimmte Stoffe belastet sind.

Strahlendosis der Computertomographie verringern, Nichtraucher-Programme, zentrales Krebsregister

Die Autoren des Papers empfehlen verschiedene Struktur- und Qualitätsstandards für zukünftige Screeningprogramme und haben Anforderungen zusammengestellt, die an die jeweilige regionale Infrastruktur und an Gesundheitssysteme angepasst werden können. Dazu zählen standardisierte Handlungsanweisungen für die Computertomographie der Lunge mit niedriger Strahlendosis, Einschluss- und Ausschlusskriterien für die Teilnahme am Screening sowie begleitende Entwöhnungsprogramme für Raucher. Ziel sollte außerdem sein, die Strahlendosis weiter zu reduzieren, um die Belastung für die Teilnehmer so gering wie möglich zu halten und zugleich die Kosteneffizienz des Screenings zu optimieren. Darüber hinaus empfehlen die Fachgesellschaften ein zentrales Lungenkrebsregister einschließlich Biobank und Bilddatenbank – idealerweise auf europäischer Ebene.

„Es liegt jetzt an der Politik einen Rahmen zu schaffen, in dem wir qualitativ hochwertige nationale und europaweite Programme implementieren und den Nutzen für Bevölkerung und Patienten weiter untersuchen können“, betont Professor Kauczor.

Die Radiologie des Universitätsklinikums Heidelberg hat einen Schwerpunkt im Bereich der Weiterentwicklung bildgebender Verfahren der Lunge. Sie leitet unter anderem die „Imaging-Plattform“ am Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), dem neben Heidelberg vier weitere Standorte angehören.

Literatur:
Kauczor HU, Bonomo L, Gaga M, Nackaerts K, Peled N, Prokop M, Remy-Jardin M, von Stackelberg O, Sculier JP, on behalf of the European Society of Radiology and the European Respiratory Society (2015) ESR/ERS white paper on lung cancer screening.
Eur Radiol (epub) DOI 10.1007/s00330-015-3697-0
Eur Resp J (epub) DOI 10.1183/09031936.00033015

Aberle DR, DeMello S, Berg CD, Black WC, Brewer B, Church TR, Clingan KL, Duan F, Fagerstrom RM, Gareen IF, Gatsonis CA, Gierada DS, Jain A, Jones GC, Mahon I, Marcus PM, Rathmell JM, Sicks J; National Lung Screening Trial Research Team. Results of the two incidence screenings in the National Lung Screening Trial. N Engl J Med. 2013 Sep 5; 369(10):920-31 DOI: 10.1056/NEJMoa1208962

Kontakt:
Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor
Radiologische Universitätsklinik Heidelberg
Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Im Neuenheimer Feld 110
69120 Heidelberg
Tel.: +49 (0) 6221 56 6410
E-Mail: Hans-Ulrich.Kauczor@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.


Weitere Informationen:

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.574.0.html
Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Heidelberg
https://www.myesr.org/cms/website.php?id=/en/ESR_ECR_news.htm
Europäische Gesellschaft für Radiologie (Seite auf Englisch)
http://www.ersnet.org/index.php
Europäische Gesellschaft für Atemwegserkrankungen (Seite auf Englisch)

Pressemitteilung
Universitätsklinikum Heidelberg, Julia Bird


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Hirntumore: Millimeter um Millimeter zu einer besseren Prognose

nTMS-Kartierung eines Tumors (orange): In pink sind die Nervenbahnen und essentiellen Positionspunkte für Sprachregionen dargestellt, wichtige Punkte des Bewegungsareals sind in grün, Nervenbahnen in gelb abgebildet.

nTMS-Kartierung eines Tumors (orange): In pink sind die Nervenbahnen und essentiellen Positionspunkte für Sprachregionen dargestellt, wichtige Punkte des Bewegungsareals sind in grün, Nervenbahnen in gelb abgebildet. – Quelle: Sandro Krieg / TUM

Seit einigen Jahren gewinnt eine Methode in der Neurochirurgie immer stärker an Bedeutung: die navigierte transkranielle Magnetstimulation (nTMS). Sie wird unter anderem verwendet, um Gehirntumore vor der Operation bestmöglich zu kartieren und um zu testen, ob wichtige Hirnbereiche zum Beispiel für Bewegung oder Sprache betroffen sind. Mediziner der Technischen Universität München (TUM) zeigten jetzt, dass eine nTMS-Analyse für Bewegungsareale vor der Operation die Prognose von Patienten mit bösartigen Hirntumoren verbesserte.

Mit der nTMS lassen sich auf vier Millimeter genau untersuchen, welche Hirnbereiche Bewegung oder Sprache steuern. „Das ist vor allem deshalb wichtig, damit bei Patienten Tumore möglichst ohne Beeinträchtigung von funktionellen Bereichen operiert, aber gleichzeitig großflächig entfernt werden können.“, erklärt Dr. Sandro Krieg, Arbeitsgruppenleiter an der Neurochirurgischen Klinik am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar und Leiter der Studie. Die Kartierung für jeden Patienten ist auch deshalb notwendig, weil durch den Tumor wichtige Hirnareale von ihrem ursprünglichen Ort verdrängt werden können.

Karte für wichtige Bewegungsregionen

Um mit der nTMS-Methode Bewegungsareale zu ermitteln, tastet der Arzt mit einer Magnetspule feste Positionspunkte am Kopf ab. Die Spule erzeugt dabei schmerzlos kurze Stromimpulse, die an diesen Positionen Nervenzellen im Gehirn stimulieren. Aktiviert der Stromstoß an einem bestimmten Punkt Nervenzellen, die Muskelbewegungen auslösen, können die Wissenschaftler die Muskelaktivitäten mit Hilfe von Elektroden an Armen und Beinen des Patienten messen. Diese Position gilt dann als essentieller Punkt für Bewegungsabläufe.

Bis zu 150 einzelne Positionspunkte pro Patient werden dabei analysiert und kartiert. „So können wir rund um den Tumor eine Karte von wichtigen Bewegungsarealen und Nervenbahnen erstellen. Bei der OP liefern uns diese Daten eine sehr gute Orientierungshilfe, wo wir schneiden dürfen und wo nicht“, erklärt Krieg. Seit 2010 wird die Methode am Klinikum rechts der Isar eingesetzt.

nTMS-Untersuchung verbessert Prognose von Patienten

In ihrer aktuellen Studie untersuchten und kartierten Sandro Krieg und sein Team Bewegungsareale bei Patienten mit hochmalignen Gliomen (high-grade gliomas, HGG), die meist eine schlechte Prognose haben. Sie verglichen dabei zwei Personengruppen: 70 Probanden, die vor der Operation eine nTMS-Analyse bekommen hatten und 70 Patienten, die noch zu einer Zeit eine Tumoroperation erhielten, als nTMS in der Klinik nicht standardmäßig eingesetzt wurde.

Die Studienergebnisse zeigten, welche Vorteile die nTMS-Kartierung für die Patienten im Vergleich zur Kontrollgruppe bot: bei den Patienten mit nTMS-Analyse mussten weniger große Schädeleröffnungen durchgeführt werden und es blieben nach dem Eingriff seltener Tumorreste zurück. Zudem war ihr Klinikaufenthalt im Durchschnitt zwei Tage kürzer. Da auch der allgemeine Gesundheitszustand bei den nTMS-behandelten Patienten besser war, konnten anschließend mehr von ihnen eine Radiotherapie erhalten. Vor allem aber lebten die Patienten um einige Monate länger als die Kontrollgruppe.

„Wir müssen die Ergebnisse sicherlich mit größeren Patientengruppen bestätigen, aber ein wichtiger Punkt zeigt sich deutlich: Eine Kartierung des Tumors vor der Operation beeinflusst viele Aspekte des Eingriffs positiv“, kommentiert Krieg die Ergebnisse und ergänzt: „Manche Tumore, die sonst als inoperabel gelten, können durch diese Methodik doch entfernt werden.“

Protokolle für nTMS weiterentwickeln

Für die Zukunft ist das Ziel der Wissenschaftler, die Standardprotokolle für nTMS zu verbessern und zum Beispiel die Kartierung von Sprachregionen weiterzuentwickeln. In einer aktuellen Studie zeigten die Forscher bereits, dass ein Test mit Benennung von Objekten für die Analyse von Sprachzentren im Gehirn die zuverlässigste Methode ist. „Auch Sprachregionen lassen sich mit nTMS bereits kartieren, sind aber es sehr viel komplexer als die Bewegungsareale. Hier wollen wir höhere Standards schaffen, um Patienten mit Tumoren in diesen Regionen bestmöglich zu helfen“, so der Wissenschaftler.

Download von hochaufgelöstem Bildmaterial:
https://mediatum.ub.tum.de/?id=1254186#1254186

Originalpublikationen

S. M. Krieg, N. Sollman, T. Obermüller, J. Sabih, L. Bulubas, C. Negwer, T. Moser, D. Droese, T. Boeckh-Behrens, F. Ringel, B. Meyer, Changing the clinical course of glioma patients by preoperative motor mapping with navigated transcranial magnetic brain stimulation, BMC Cancer, April 2015.
DOI: 10.1186/s12885-015-1258-1

T. Hauck, N. Tanigawa, M. Probst, A. Wohlschlaeger, S. Ille, N. Sollmann, S. Maurer, C. Zimmer, F. Ringel, B. Meyer, S. M. Krieg, Task Type Affects Location of Language-Positive Cortical Regions by Repetitive Navigated Transcranial Magnetic Stimulation Mapping, PLOSone, April 2015.
DOI: 10.1371/journal.pone.0125298

Kontakt
PD Dr. Sandro M. Krieg
Neurochirurgische Klinik und Poliklinik
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: +49 170 – 2039430
sandro.krieg@lrz.tum.de


Weitere Informationen:

http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/32416 – Dieser Text im Web


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