Gradmesser fĂŒr die Bösartigkeit von Prostatakrebs entdeckt

Ein Protein, das die epigenetischen Merkmale der Tumorzellen beeinflusst, steht in direktem Zusammenhang mit der Bösartigkeit von Prostatakrebs. Dies hat nun ein Team von Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum, der UniversitĂ€t ZĂŒrich, dem UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf, der UniversitĂ€t Heidelberg und weiteren Institutionen an ĂŒber 7700 Tumor-Gewebeproben nachgewiesen. Ein Nachweis des Biomarkers könnte in Zukunft die Wahrscheinlichkeit fĂŒr einen aggressiven Verlauf der Erkrankung anzeigen und so die Wahl der passenden Therapie unterstĂŒtzen.

Die Arbeit war Teil des Projekts „FrĂŒher Prostatakrebs“, das das Bundesforschungsministerium im Rahmen des Internationalen Krebsgenomkonsortiums ICGC fördert.

Bei einer Krebsdiagnose steht fĂŒr Betroffene wie auch fĂŒr ihre Ärzte die Frage nach der Bösartigkeit des Tumors im Vordergrund: Sie entscheidet, wie intensiv und radikal die Behandlung ausfallen muss. Insbesondere Prostatakrebs kann von Patient zu Patient einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Daher suchen Krebsforscher dringend nach messbaren, zuverlĂ€ssigen Biomarkern, an denen sie die AggressivitĂ€t des Tumors ablesen können, um die Therapie entsprechend anzupassen.

Bei vielen Krebsarten geben VerĂ€nderungen des Erbguts Hinweise auf das Gefahrenpotential. Aber gerade bei Prostatakrebs sind solche Mutationen lĂ€ngst nicht so zahlreich wie bei anderen Tumorarten. „Wir vermuteten daher, dass Prostatakrebs vor allem durch verĂ€nderte epigenetische Merkmale angetrieben wird, also solche chemischen VerĂ€nderungen am Erbgut, die nicht die Reihenfolge der DNA-Bausteine betreffen“, sagt Prof. Christoph Plass vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), einer der Leiter der aktuellen Arbeit.

Lange Zeit war unbekannt, wie sich epigenetische Muster im Erbgut einer Krebszelle Ă€ndern. Heute kennen Wissenschaftler bestimmte Proteine der Zelle, die weitreichenden Einfluss auf dieses Muster haben können. Ein Verbund von Forschern aus dem DKFZ, der UniversitĂ€t ZĂŒrich, dem UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf, der UniversitĂ€t Heidelberg und weiteren Institutionen hat sich nun auf die Suche gemacht nach solchen Steuerproteinen, die in Prostatakrebszellen die epigenetischen Merkmale verĂ€ndern und dadurch möglicherweise den Verlauf der Erkrankung beeinflussen.

Die Wissenschaftler starteten ihre Suche zunĂ€chst in Datenbanken, in denen die molekularen Informationen zu zahlreichen ProstatakrebsfĂ€llen gespeichert sind. Diese Daten ĂŒberprĂŒften sie darauf, ob die Tumorzellen eines der bekannten epigenetischen Steuerproteine signifikant stĂ€rker oder schwĂ€cher ausprĂ€gen als gesunde Zellen derselben Patienten.

Den auffĂ€lligsten Unterschied ermittelten die Forscher fĂŒr das Protein BAZ2A: „Eigentlich ist dieses Eiweiß dafĂŒr bekannt, dass es die Produktion der zellulĂ€ren Proteinfabriken unterdrĂŒckt und dadurch die LebensfĂ€higkeit von Zellen beeintrĂ€chtigt“, erklĂ€rt Prof. Roland Eils, der sowohl im DKFZ als auch an der UniversitĂ€t Heidelberg eine Forschungsgruppe leitet. „Aber als wir BAZ2A in Zelllinien von metastasierendem Prostatakrebs ausschalteten, verlangsamte sich paradoxerweise ihr Wachstum.“ Weitere Untersuchungen zeigten, dass höhere Konzentrationen von BAZ2A die bösartigen Eigenschaften der Prostatakrebszellen steigerten, etwa die Beweglichkeit oder die FĂ€higkeit, in umgebendes Gewebe einzudringen.

Eine detaillierte molekulare Analyse von Prostatakrebszellen ergab, dass die Überproduktion von BAZ2A zu verĂ€nderten epigenetischen Mustern fĂŒhrte, die wiederum die AktivitĂ€t einer Reihe von krebsbremsenden Genen drosselten. Daraufhin vermuteten die Wissenschaftler, dass sich die BAZ2A-Überproduktion direkt auf die Bösartigkeit von Prostatakrebs auswirkt und daher ein Indikator fĂŒr den Verlauf der Erkrankung sein könnte.

Das Forscherteam ĂŒberprĂŒfte diese Hypothese an fast 7700 Gewebeproben von Prostatakrebs und stellte fest: Je mehr BAZ2A das Gewebe enthielt, desto fortgeschrittener war der Tumor bei seiner Diagnose, desto hĂ€ufiger hatte der Krebs bereits Metastasen gestreut und desto höher war der PSA-Wert der jeweiligen Patienten.

„BAZ2A scheint einen direkten Einfluss auf die AggressivitĂ€t von Prostatakrebs zu nehmen. Von daher könnte der Grad der BAZ2A-Expression deutliche Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung geben. Das muss natĂŒrlich noch klinisch bestĂ€tigt werden“, sagt Christoph Plass. Aber gerade bei Patienten, deren sonstige klinischen Werte ein mittleres Risiko anzeigen, könnte die BAZ2A-Expression wertvolle Hinweise auf die Wahrscheinlichkeit geben, ob der Krebs zurĂŒckkehrt. Das wĂŒrde Ärzte und Patienten bei der Wahl der aussichtsreichsten Therapie unterstĂŒtzen.

Die Arbeit ist Teil des Internationalen Krebsgenom-Konsortiums. Am Projekt „FrĂŒher Prostatakrebs“ beteiligt sind die Martini-Klinik und das UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf, das EMBL, das DKFZ, das Nationale Centrum fĂŒr Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg sowie das Max-Planck-Institut fĂŒr Molekulare Genetik in Berlin. Die Koordinatoren sind Prof. Christoph Plass im Deutschen Krebsforschungszentrum und Prof. Guido Sauter vom UniversitĂ€tsklinikum Eppendorf. Das Projekt wird vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung mit 7,5 Millionen Euro gefördert.

Lei Gu, Sandra C Frommel, Christopher C Oakes, Ronald Simon, Katharina Grupp, Cristina Y Gerig, Dominik BĂ€r, Mark D Robinson, Constance Baer, Melanie Weiss, Zuguang Gu, Matthieu Schapira, Ruprecht Kuner, Holger SĂŒltmann, Maurizio Provenzano, ICGC Project on Early Onset Prostate Cancer, Marie-Laure Yaspo, Benedikt Brors, Jan Korbel, Thorsten Schlomm, Guido Sauter, Roland Eils, Christoph Plass und Raffaella Santoro: BAZ2A (TIP5) is involved in epigenetic alterations in prostate cancer and its overexpression predicts disease recurrence.
Nature Genetics 2014, DOI: 10.1038/ng.3165

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die grĂ¶ĂŸte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren prĂ€ziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klĂ€ren Betroffene, Angehörige und interessierte BĂŒrger ĂŒber die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum fĂŒr Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende AnsĂ€tze aus der Krebsforschung in die Klinik ĂŒbertragen werden. Im Deutschen Konsortium fĂŒr Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren fĂŒr Gesundheitsforschung, unterhĂ€lt das DKFZ Translationszentren an sieben universitĂ€ren Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarĂ€tigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-WĂŒrttemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner fĂŒr die Presse:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
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E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

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Eine zweite Chance fĂŒr krebskranke Kinder

Krebs bei Kindern ist heute meist dauerhaft heilbar. Doch 20 Prozent der krebskranken Kinder erleiden nach zunĂ€chst erfolgreicher Behandlung einen RĂŒckfall, an dem sie schließlich versterben. Mit dem INFORM-Projekt* wollen Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Deutschen Konsortium fĂŒr Translationale Krebsforschung diesen Kindern eine zweite Chance eröffnen: Die Grundlage dafĂŒr ist die Analyse des gesamten Tumor-Erbguts zum Zeitpunkt des RĂŒckfalls. Damit können die Forscher herausfinden, welche Faktoren den Krebs zum Wachsen anregen und dem einzelnen Kind möglicherweise mit einem der neuen, zielgerichteten Medikamente helfen. Das Ziel ist es, deutschlandweit bei allen Kindern mit KrebsrĂŒckfĂ€llen nach ErbgutverĂ€nderungen zu suchen und herauszufinden, ob es Medikamente gibt, die zu genau diesem Tumor passen. Die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Kinderkrebsstiftung unterstĂŒtzen nun eine Machbarkeitsstudie ĂŒber zwei Jahre mit rund 1,1 Millionen Euro.

Das drĂ€ngendste Problem in der Krebsmedizin bei Kindern sind heute RĂŒckfĂ€lle nach einer intensiven Stahlen- und Chemotherapie. “Das betrifft in Deutschland jedes Jahr etwa 500 krebskranke Kinder. Zum Zeitpunkt des RĂŒckfalls sind die wirksamen Behandlungen bereits weitgehend ausgereizt, die Medikamente versagen hĂ€ufig, wenn der Krebs zurĂŒckkehrt”, erklĂ€rt Prof. Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). “Deshalb ist es uns so wichtig, fĂŒr diese Kinder neue Behandlungsmöglichkeiten zu finden.”

Mit einer Untersuchung des gesamten Tumorerbguts zum Zeitpunkt des RĂŒckfalls können Wissenschaftler heute herausfinden, welche Faktoren den individuellen Tumor zum Wachsen anregen. In vielen FĂ€llen lassen sich diese wachstumsfördernden Faktoren durch ein passendes Medikament blockieren.

“Bei rund einem Viertel der krebskranken Kinder kehrt der Krebs nach einer Behandlung zurĂŒck, die meisten von ihnen haben dann keine dauerhafte Heilungschance mehr. Eine Erbgut-Analyse könnte nach unserer bisherigen Erfahrung fĂŒr etwa die HĂ€lfte von ihnen eine zweite Chance bedeuten. Unser Ziel ist es, deutschlandweit bei allen Kindern mit KrebsrĂŒckfĂ€llen nach einem Medikament zu suchen, das genau zu ihrem Tumor passt”, sagt Prof. Stefan Pfister vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der federfĂŒhrende Koordinator des Forschungsverbunds INFORM.

Im Gegensatz zur Chemo- und Strahlentherapie schĂ€digen die neuen, “intelligenten” Medikamente nicht alle sich schnell teilenden Zellen, sondern richten sich gegen spezifische krebstypische ZellverĂ€nderungen. Welche der vielen möglichen krebstypischen VerĂ€nderungen einen individuellen Tumor kennzeichnen, kann man ohne Erbgut-Analyse nicht erkennen.

Die INFORM-Forscher wollen in einer Machbarkeitsstudie durch umfangreiche Genomanalysen am DKFZ zunĂ€chst klĂ€ren, welche Informationen aus dem Tumorerbgut dazu beitragen können, den Kindern eine bessere Behandlung anzubieten. Dabei konzentrieren sie sich auf die zwölf Krebsarten, bei denen Kinder am hĂ€ufigsten RĂŒckfĂ€lle erleiden. Die Wissenschaftler dokumentieren vor allem, welche und wie viele Mutationen, fĂŒr die es “intelligente” Medikamente gibt, in den verschiedenen Krebsarten auftreten. Werden bei einem Patienten VerĂ€nderungen in den Tumorzellen entdeckt, gegen die bereits Wirkstoffe zur VerfĂŒgung stehen, so kann der behandelnde Arzt diese Information nutzen und individuell mit dem Patienten entscheiden, ob dieses Medikament eingesetzt werden kann.

Gibt es noch keine spezifischen Medikamente gegen eine krebstreibende ZellverÀnderung, so können Wissenschaftler die Information nutzen, um neue Wirkstoffe zu entwickeln.

Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie wollen die Kinderonkologen in einer klinischen Studie nach dem Arzneimittelgesetz prĂŒfen, ob die individualisierte Therapie auf der Basis der Erbgut-Information bessere Heilungserfolge erzielt als die herkömmliche RĂŒckfalltherapie.

Weder die Untersuchung des Tumorerbguts noch die teuren zielgerichteten Medikamente werden derzeit von den Krankenkassen bezahlt. Die Förderung durch das Deutsche Konsortium fĂŒr Translationale Krebsforschung (DKTK) (2,5 Millionen Euro), die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Kinderkrebsstiftung deckt einen Teil der Kosten fĂŒr die Erbgutanalyse, Datenauswertung und Dokumentation. “FĂŒr die Deutsche Krebshilfe ist innovative Krebsforschung ein Kernanliegen. Nur ĂŒber die Forschung können wir die Therapie und Versorgung krebskranker Menschen verbessern. Daher fördert die Deutsche Krebshilfe das hochinnovative INFORM-Projekt”, so Gerd Nettekoven, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Krebshilfe. “Wir wollen, dass alle krebskranken Kinder eine Chance haben zu ĂŒberleben – durch gezielte Therapien, mit so wenigen SpĂ€tfolgen wie möglich. Deshalb ist Forschungsförderung wichtig. Und deshalb ist das Verbundprojekt INFORM mit der gemeinschaftlichen Förderung durch DKTK und DKFZ, die Deutsche Krebshilfe und die Deutsche Kinderkrebsstiftung wegweisend fĂŒr die Kinderkrebsheilkunde”, sagt Ulrich Ropertz, Vorsitzender der Deutschen Kinderkrebsstiftung.

Auch die BILD-Hilfsorganisation “Ein Herz fĂŒr Kinder” unterstĂŒtzt INFORM. Spenden an diese Charity helfen dabei, den anderen großen Posten zu bewĂ€ltigen – die Kosten fĂŒr die neuen Medikamente, die in der Regel nicht von Kassen ĂŒbernommen werden, weil noch keine ausreichenden Studiendaten vorliegen. In der großen Gala “Ein Herz fĂŒr Kinder” (Samstag, 6. Dezember, 20:15 Uhr im ZDF) wird eine kleine Patientin vorgestellt, fĂŒr die die Analyse des Tumorerbguts eine zweite Chance bedeutet.

*INFORM steht fĂŒr “Individualisierte Therapie fĂŒr RĂŒckfĂ€lle von bösartigen Tumoren bei Kindern”. Die wissenschaftlichen Koordinatoren sind:

  • Prof. Stefan Pfister (federfĂŒhrender Koordinator, DKFZ),
  • Prof. Angelika Eggert (Vorsitzende der Fachgesellschaft fĂŒr PĂ€diatrische Onkologie und HĂ€matologie, CharitĂ© Berlin)
  • Prof. Peter Lichter (Leiter des INFORM-Bereichs Molekulare Diagnostik, DKFZ)
  • Prof. Olaf Witt (Leiter der INFORM-Registerstudie, DKFZ und UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg)

Unter dem Dach der Gesellschaft fĂŒr PĂ€diatrische Onkologie und HĂ€matologie sind deutschlandweit elf Studiengruppen und ĂŒber 50 Rekrutierungszentren an INFORM beteiligt.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die grĂ¶ĂŸte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren prĂ€ziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klĂ€ren Betroffene, Angehörige und interessierte BĂŒrger ĂŒber die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum fĂŒr Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende AnsĂ€tze aus der Krebsforschung in die Klinik ĂŒbertragen werden. Im Deutschen Konsortium fĂŒr Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren fĂŒr Gesundheitsforschung, unterhĂ€lt das DKFZ Translationszentren an sieben universitĂ€ren Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarĂ€tigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-WĂŒrttemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner fĂŒr die Presse:

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Vereine unterstĂŒtzen Kampagne „Bewegung gegen Krebs“

Heidemann, Overath und Reeves fĂŒr mehr Bewegung im Alltag

Frankfurt (ws) – „Bewegung gegen Krebs“ ist die Kampagne der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und der Deutschen Sporthochschule Köln. Zahlreiche Sportvereine unterstĂŒtzten diese Initiative in diesem Jahr und konnten bei einem Wettbewerb hochwertige Preise gewinnen. Ausgelobt wurden drei Einkaufs-Gutscheine von Sport-Thieme im Wert von jeweils 5.000 Euro. Die Preisverleihung fand statt am 27. November 2014 im Rahmen eines PressegesprĂ€chs im Clubhaus der Frankfurter Rudergesellschaft Germania 1869 e.V.. Die Botschafter der Kampagne, Britta Heidemann und Shary Reeves, ehrten die Vereine im Beisein von Gerd Nettekoven, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der Deutschen Krebshilfe, und Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB.

In Frankfurt wurden drei Vereine fĂŒr die besondere KreativitĂ€t und QualitĂ€t ihrer Veranstaltungen als Gewinner des Wettbewerbs ausgezeichnet. Die Schwimmabteilung des TSV Solln e.V. hatte ihren Aktionstag „Bewegung gegen Krebs“ mit zahlreichen originellen Ideen umgesetzt. Beispielsweise schwammen die Teilnehmer an diesem Tag insgesamt 92.000 Meter, um auf die hohe Zahl der Krebserkrankungen aufmerksam zu machen, die sich durch regelmĂ€ĂŸige Bewegung vermeiden ließe.

Eine ganze Aktionswoche setzte der Stadtsportverband DelbrĂŒck e.V. unter das Motto „Wir bringen DelbrĂŒcker in Bewegung“. Neben Radtouren, Kinder- und JugendlĂ€ufen sorgten ein „Flashmob“ mit 2.700 SchĂŒlern sowie ein Wettbewerb im Traktorziehen fĂŒr viel Spaß und hohe Aufmerksamkeit fĂŒr das Thema. Beim Traktorziehen kam zudem ein Spendenerlös in Höhe von 4.000 Euro zugunsten der Deutschen Krebshilfe zusammen.

Auch der TV Hangelar 1962 e.V. machte mit verschiedenen Sportveranstaltungen mobil und konnte „Sportmuffel“ motivieren, sportlich aktiv zu werden.

„Spaß an Sport und Bewegung zu vermitteln sowie einfache Tipps und Hilfen fĂŒr die ersten Schritte dazu zu geben ist das Ziel unserer gemeinsamen Initiative“, so Gerd Nettekoven.

Die Deutsche Krebshilfe möchte den Menschen zeigen, dass es sich lohnt, seinen Körper zu fordern – fĂŒr das eigene Selbstbewusstsein, aber vor allem fĂŒr die eigene Gesundheit und ein vermindertes Krebsrisiko. Daher freuen wir uns sehr, dass bereits zahlreiche Vereine und Sportgruppen unsere gemeinsame Kampagne aufgegriffen haben und sich im Kampf gegen Krebs stark machen“, betonte Gerd Nettekoven beim Pressetermin in Frankfurt.

Seit MĂ€rz 2014 machen die Kooperationspartner auf die wichtige Bedeutung von „Sport und Bewegung“ bei der KrebsprĂ€vention aufmerksam. UnterstĂŒtzt werden Sie hierbei von TV-Moderatorin Shary Reeves, Britta Heidemann, Olympiasiegerin im Degenfechten, und Wolfgang Overath, Fußballweltmeister von 1974.

„Es tut einfach gut, wenn man sich bewegt und dadurch den Kopf frei bekommt. Das schafft einen Ausgleich zum oft hektischen Alltag – und ganz nebenbei ist es ja ein sehr wichtiger Baustein zur Vorbeugung vieler verschiedener Krankheiten“, berichtet Britta Heidemann. „Ich finde, dass die Kampagne genau an der richtigen Stelle ansetzt – nĂ€mlich, die positiven Aspekte und die Freude an Bewegung zu vermitteln“, so die Olympiasiegerin im Degenfechten. Auch fĂŒr Shary Reeves ist ein Leben ohne regelmĂ€ĂŸige Bewegung nicht denkbar. „Wenn du Sport treibst, geht‘s dir gut“, betont die TV-Moderatorin. „Genau das möchte ich allen mitgeben, die noch mit dem berĂŒchtigten Schweinehund kĂ€mpfen.“

Mit dem DOSB hat die Deutsche Krebshilfe einen starken Partner gefunden, der sich seit vielen Jahren fĂŒr mehr Bewegung und eine gesunde Lebensweise engagiert. „Sport und Bewegung sind wesentliche Faktoren fĂŒr Wohlbefinden, Gesundheit und Lebensfreude“, betont Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB. „Die gemeinsame Kampagne hat gezeigt, welche vielfĂ€ltigen und kreativen Angebote zur PrĂ€vention in den 91.000 Sportvereinen in Deutschland umgesetzt werden. Der organisierte Sport bietet unter dem QualitĂ€tssiegel SPORT PRO GESUNDHEIT flĂ€chendeckend zertifizierte  Angebote an. DarĂŒber hinaus hat der DOSB zusammen mit der BundesĂ€rztekammer das Rezept fĂŒr Bewegung entwickelt, das Nichtbeweger zu mehr körperlicher AktivitĂ€t motivieren soll.“

Zentrales Informationselement fĂŒr Interessierte ist die Internetseite www.bewegung-gegen-krebs.de. Hier gibt es unter anderem zahlreiche Tipps, wie sich Bewegung in den Alltag integrieren lĂ€sst und was bei den ersten sportlichen Schritten helfen kann. DarĂŒber hinaus ist die Kampagne auch auf facebook.com/bewegunggegenkrebs prĂ€sent.

Auch die Deutsche Sporthochschule Köln unterstĂŒtzt die Kampagne: hier untersuchen Wissenschaftler, ob eine solche Kampagne das Bewegungsverhalten der Bevölkerung beeinflussen kann.


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Neuer Wirkstoff ĂŒberwindet Therapieresistenz bei LeukĂ€mie

Die Heilungschancen von Patienten mit Philadelphia Chromosom-positiver LeukĂ€mie (Ph+) haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Dennoch entwickelt ein großer Anteil von Patienten Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente. HĂ€matologen der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt haben nun gemeinsam mit einer russischen Pharmafirma einen neuen Wirkstoff entwickelt, der sowohl in vitro als auch in vivo die aggressivsten Formen der Philadelphia Chromosom-positiven LeukĂ€mie sehr effektiv bekĂ€mpft. Sie berichten darĂŒber in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Leukemia“.

FRANKFURT. Patienten mit dem Philadelphia Chromosom entwickeln chronisch myeloische (CML) oder akute lymphatische LeukĂ€mie (Ph+ ALL). Diese gehören zu den ersten LeukĂ€mieformen, die dank der Entwicklung gezielter molekularer TherapieansĂ€tze behandelt werden können. Die Wirkstoffe, selektive Kinase-Inhibitoren, greifen direkt am Krebs-induzierenden Gen BCR/ABL an. Doch bei vielen Patienten wird die Therapie nach einer gewissen Zeit unwirksam – entweder aufgrund von Mutationen im BCR/ABL oder durch andere, noch weitgehend unbekannte Mechanismen. Zurzeit ist nur eine Substanz, Ponatinib, in der Lage, alle klinische Resistenzen weitgehend zu ĂŒberwinden. Leider ist Ponatinib wegen seiner zum Teil lebensgefĂ€hrlichen Nebenwirkungen nur mit großer Vorsicht einsetzbar.

Fusion Pharma, mit Sitz in Moskau, hat einen neuartigen Kinase-Inhibitor, PF-114, mit dem Ziel entwickelt, die gleiche Wirkung auf Ph+ LeukĂ€mien zu entfalten wie Ponatinib, aber gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren. In der aktuellen Ausgabe von „Leukemia“ berichtet ein Team um Dr. Afsar Mian, Prof. Oliver Ottmann und Privatdozent Dr. Martin Ruthardt von der Abteilung HĂ€matologie der Medizinischen Klinik II, dass PF-114 Ă€hnlich gut gegen resistente Ph+ LeukĂ€mie wirkt wie Ponatinib.

„Diese Ergebnisse liefern die Grundlage fĂŒr den Einsatz von PF-114 bei Therapie-resistenten Patienten mit Ph+ LeukĂ€mie. Die gute Wirksamkeit und das gute Nebenwirkungsprofil muss jetzt in klinischen Phase I Studien am Menschen weiter untersucht werden“, erklĂ€rt Dr. Ruthardt. „Ohne die Frankfurter Kollegen, wĂ€re PF-114 nie so weit gekommen. Auf der Basis dieser Daten werden wir im Laufe des 1. Halbjahrs 2015 eine internationale Phase I Studie starten können“, ergĂ€nzt Dr. Ghermes Chilov, CEO von Fusion Pharma, die das Projekt finanziert hat.

Publikation:
Mian et al.: PF-114, a potent and selective inhibitor of native and mutated BCR/ABL is active against Philadelphia chromosome- positive (Ph+) leukemias harboring the T315I mutation, in Leukemia, 14. November 2014, doi: 10.1038/leu.2014.326.

Informationen:
Privatdozent Dr. Martin Ruthardt, HĂ€matologie/Medizinische Klinik II, UniversitĂ€tsklinik, Tel. (069)6301–5338, ruthardt@em.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-UniversitĂ€t ist eine forschungsstarke Hochschule in der europĂ€ischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegrĂŒndet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern fĂŒhlt sie sich als BĂŒrgeruniversitĂ€t bis heute dem Motto „Wissenschaft fĂŒr die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und MĂ€nner der ersten Stunde waren jĂŒdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-UniversitĂ€t Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der RĂŒckkehr zu ihren historischen Wurzeln als StiftungsuniversitĂ€t ein einzigartiges Maß an EigenstĂ€ndigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstĂ€rksten und drei grĂ¶ĂŸten UniversitĂ€ten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.“

Mehr Informationen unter www2.uni-frankfurt.de/gu100

Herausgeber:
Der PrÀsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin fĂŒr Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 12498, Telefax (069) 798 – 763 12531, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de


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Warum Krebszellen trotz Sauerstoffmangel wachsen

Unter Sauerstoffmangel fördert PHD3 die Aufnahme des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors, das Wachstum erlahmt. In Tumorzellen ist der Prozess gestört, die Zelle wÀchst trotz Sauerstoffmangels. - Garvalov et al., Nature Communications

Unter Sauerstoffmangel fördert PHD3 die Aufnahme des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors, das Wachstum erlahmt. In Tumorzellen ist der Prozess gestört, die Zelle wĂ€chst trotz Sauerstoffmangels. – Garvalov et al., Nature Communications

Gesunde Zellen verlangsamen bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ihr Wachstum. Umso erstaunlicher ist es, dass Hypoxie ein charakteristisches Merkmal bösartiger Tumore ist. Wie es Krebszellen gelingt, das genetische Programm der Wachstumsbremse zu umgehen, berichten Forscher der Goethe-UniversitĂ€t und der Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen in zwei Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

FRANKFURT/GIESSEN. Gesunde Zellen verlangsamen bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ihr Wachstum. Umso erstaunlicher ist es, dass Hypoxie ein charakteristisches Merkmal bösartiger Tumore ist. Wie es Krebszellen gelingt, das genetische Programm der Wachstumsbremse zu umgehen, berichten Forscher der Goethe-UniversitĂ€t und der Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen in zwei Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Seit lĂ€ngerem ist bekannt, dass PHD-Proteine (Prolyl-Hydroxylase-DomĂ€nen-Proteine) eine SchlĂŒsselrolle bei der Regulatoren der Hypoxie spielen. Sie kontrollieren die StabilitĂ€t der Hypoxie-induzierten Transkriptionsfaktoren (HIFs), welche die Anpassung der Zelle an Sauerstoffmangel steuern. Nun hat das Team von Prof. Amparo Acker-Palmer, Goethe-UniversitĂ€t, und Prof. Till Acker, Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen, herausgefunden, dass ein spezielles PHD-Protein, PHD3, auch den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) kontrolliert.

In gesunden Zellen antwortet PHD3 auf Stress wie Sauerstoffmangel, indem es die Aufnahme des EGF-Rezeptors ins Zellinnere steuert. Durch diese Internalisierung werden die Wachstumssignale herab reguliert. „Wir haben herausgefunden, dass PHD3 als GerĂŒstprotein dient, an dem zentrale Adapterproteine wie Eps15 und Epsin1 binden, um die Aufnahme von EGFR in die Zelle zu fördern“, so Acker-Palmer. In Tumorzellen ist dieser Prozess aufgrund des Verlusts von PHD3 gestört. Infolgedessen wird die Internalisierung von EGFR unterdrĂŒckt, was zu einer ĂŒbermĂ€ĂŸigen AktivitĂ€t der EGFR-Signale und damit dem unkontrollierten Wachstum der Zelle fĂŒhrt.

Die Forschergruppe konnte zeigen, dass der Verlust von PHD3 ein entscheidender Schritt beim Wachstum humaner maligner Hirntumore (Glioblastome) ist. Die Tumorzellen werden dadurch unabhĂ€ngig von den wachstumshemmenden Signalen unter Sauerstoffmangel. „Klinisch ist diese Entdeckung hochrelevant, weil sie einen alternativen Mechanismus der Hyperaktivierung des EGF-Rezeptors zeigt, der unabhĂ€ngig von seiner genetischen Amplifikation ist. Therapeutisch kann er durch EGFR-Inhibitoren unterdrĂŒckt werden“, erklĂ€rt Till Acker, Neuropathologe an der UniversitĂ€t Gießen.

“Unsere Arbeit zeigt eine unerwartete und neue Funktion des PHD3 an der Schnittstelle von zwei brandaktuellen Forschungsgebieten: Sauerstoffmessung und EGFR-Signaling”, erklĂ€rt Acker-Palmer. „Dies beweist erneut, wie groß die Bedeutung der Rezeptor-Internalisierung in der Krebsentwicklung ist“. Diesen Zusammenhang hatte das Forscherteam bereits 2010 fĂŒr die Tumor-Angiogenese gezeigt (Sawamiphak et al, Nature 2010).

Publikationen:
Henze et al: Loss of PHD3 allows tumours to overcome hypoxic growth inhibition and sustain proliferation through EGFR, Nature communications, 25.11.2014, DOI: 10.1038/ncomms6582

Garvalov et al.: PHD3 regulates EGFR internalization and signalling in tumours, Nature communications, 25.11.2014, DOI: 10.1038/ncomms6577

Informationen:
Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut fĂŒr Zellbiologie und Neurowissenschaft und Buchmann Institut fĂŒr Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de; Prof. Till Acker, Institut fĂŒr Neuropathologie, UniversitĂ€tsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Arndtstraße 16, 35392 Gießen, Tel.: (0641) 99-41181, till.acker@patho.med.uni-giessen.de

Die Goethe-UniversitĂ€t Die Goethe-UniversitĂ€t ist eine forschungsstarke Hochschule in der europĂ€ischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegrĂŒndet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern fĂŒhlt sie sich als BĂŒrgeruniversitĂ€t bis heute dem Motto „Wissenschaft fĂŒr die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und MĂ€nner der ersten Stunde waren jĂŒdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-UniversitĂ€t Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der RĂŒckkehr zu ihren historischen Wurzeln als StiftungsuniversitĂ€t ein einzigartiges Maß an EigenstĂ€ndigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstĂ€rksten und drei grĂ¶ĂŸten UniversitĂ€ten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

Mehr Informationen unter www2.uni-frankfurt.de/gu100

Die 1607 gegrĂŒndete Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche ForschungsuniversitĂ€t, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften ĂŒber Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissenschaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches FĂ€cherspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und VeterinĂ€rmedizin, Agrar-, Umwelt- und ErnĂ€hrungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von NobelpreistrĂ€gern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis fĂŒr Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC). www.uni-giessen.de

Herausgeber:
Der PrĂ€sident der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt am Main. Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin fĂŒr Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing und Kommunikation, GrĂŒneburgplatz1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-12498, Fax: (069) 798-761 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Pressemitteilung
Goethe-UniversitÀt Frankfurt am Main, Dr. Anne Hardy


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Weltweit erstes SPECT/CT einer neuen Generation – bessere Bilder aus dem Körper

Die Nuklearmediziner des TĂŒbinger UniversitĂ€tsklinikums können jetzt ein verbessertes bildgebendes Verfahren einsetzen: Ein SPECT/CT der neuesten Generation wurde wĂ€hrend der vergangenen Wochen installiert. Es ermöglicht komplexe dreidimensionale Darstellungen von Stoffwechsel-VorgĂ€ngen im Körper. Es ist die weltweit erste Anlage einer neuen Generation.

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss - Quelle:Uniklinikum TĂŒbingen

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss – Quelle:Uniklinikum TĂŒbingen

Schon bisherige SPECT/CT-Anlagen haben den besonderen Vorteil von Hybrid-Bildgebung: Sie verbinden zwei unterschiedliche Methoden der Bildgebung – zur selben Zeit und mit derselben Anlage werden also zwei verschiedene Typen medizinischer Bilder erzeugt. Das System errechnet aus diesen beiden Quellen eine dreidimensionale Darstellung, die sowohl die anatomische Struktur im Körper anzeigt als auch die dort ablaufenden Prozesse.

Die Fixpunkte in dieser Darstellung liefert die auf Röntgen basierende Computertomografie. Sie zeigt mit ihren Schnittbildern, wie die Anatomie der untersuchten Körperregion aussieht. Dem zweiten Verfahren liegt die Szintigrafie zugrunde, eine nuklearmedizinische Untersuchung, die sichtbar machen kann, wie in genau diesem Moment der Stoffwechsel von Zellen und Organen ablĂ€uft. DafĂŒr wird Patienten vorab eine schwach radioaktiv markierte Substanz gespritzt, die sich gezielt in jene Prozesse des Körpers einschleust, die untersucht werden sollen. Die Strahlung kann diese AblĂ€ufe dann fĂŒr kurze Zeit sichtbar machen, eine Gamma-Kamera hĂ€lt das fest. Das zweite Verfahren, das Schnittbilder aus mehreren Szintigrafien errechnet, heißt SPECT, was die AbkĂŒrzung fĂŒr Single-Photonen-Emissions-Computertomografie ist. Die Software der Anlage kombiniert am Ende alle Aufnahmen des Tomografen und der Gamma-Kamera zu einer komplexen Darstellung.

„Wir erhalten einen richtigen Film davon, was im Körper gerade stattfindet“, beschreibt Prof. Dr. med. Christian la FougĂšre die Ergebnisse. „Die Knochen, Organe und Gewebe sind sehr gut zu erkennen“, sagt der Lehrstuhlinhaber fĂŒr Nuklearmedizin und klinische molekulare Bildgebung. „Ganz deutlich wird auch, wie der Stoffwechsel in der untersuchten Region ablĂ€uft. Das bietet uns wichtige Anhaltspunkte dafĂŒr, wie eine Krankheit beim Patienten fortschreitet oder wie eine Therapie greift.“

Mit der neuen Anlage „Discovery NM/CT 670 Pro“ des Herstellers GE Healthcare ist TĂŒbingen der momentan modernste Standort dieser Technologie weltweit, berichtet der Nuklearmediziner. Was diese Anlage von der bisherigen Technologie abhebt: Die neue Generation der SPECT/CT-GerĂ€te liefert deutlich prĂ€zisere Darstellungen. Zudem ist es gelungen, Ungenauigkeiten zu minimieren, die man bisher bei dieser Art der Bildgebung in Kauf nehmen musste.
Auf dieser verbesserten Grundlage bietet das System nun erstmals auch quantifizierbare Aussagen. Die Ärzte können also mit mathematischer Genauigkeit definieren und abgleichen, wie intensiv die AktivitĂ€ten im untersuchten Stoffwechsel sind. „Wir können unklare Krankheitsherde nun besser einschĂ€tzen und beurteilen“, sagt Prof. la FougĂšre. Dadurch kann man vielen Patienten weitere Untersuchungen ersparen. Zugleich sind die inneren Strukturen in den neuen Darstellungen viel exakter lokalisiert, bis in den Millimeter-Bereich.

„Informationen einer solchen QualitĂ€t haben wir bislang nur ĂŒber ein anderes Untersuchungsverfahren erhalten, mit dem PET/CT“, erklĂ€rt Prof. la FougĂšre. Das neue Verfahren wird die PET/CT nicht ersetzen, ist aber eine sehr gute Alternative, beispielsweise wenn die Ärzte Bilder des Herzens oder der Knochen brauchen. In manchen Situationen ist es auch von Vorteil, dass die neue Anlage die Strahlung so prĂ€zise quantifizieren kann, prĂ€ziser als ein PET/CT: wenn die Durchblutung der Lunge untersucht wird, wenn man bei EntzĂŒndungsherden bestimmte Fragen klĂ€ren will, auch bei der Beurteilung von SchilddrĂŒsenknoten und zur Diagnose der Parkinson-Krankheit.

Hinzu kommt: Die Patienten werden im modernen SPECT/CT einer geringeren Strahlenbelastung ausgesetzt, weil hier fĂŒr die SPECT-Untersuchung eine niedrigere Dosierung der radioaktiv markierten Substanz ausreicht und zudem das CT mit einer geringeren Strahlenbelastung arbeitet.

Verglichen mit dem bisherigen SPECT/CT wird der Untersuchungsablauf fĂŒr die Patienten etwas angenehmer, weil die neue Technologie schneller arbeitet. „Da Patienten fĂŒr eine solche Untersuchung sehr still liegen mĂŒssen, um optimale Bilder zu erhalten, macht es schon einen Unterschied, ob es 30 Minuten oder nur 15 Minuten dauert“, verdeutlicht la FougĂšre. Der neuen Anlage genĂŒgen beispielsweise 20 Minuten, um die Knochenstruktur eines Patienten ĂŒber den gesamten Körper zu scannen und dreidimensional darzustellen.

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss. Neben Krebs können auf diesem Weg auch Herz- und Lungenkrankheiten diagnostiziert werden, ebenso neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Epilepsie. Zudem liefern die Darstellungen des SPECT-CT den Ärzten viele wertvolle Hinweise darĂŒber, auf welchem Weg sie einen Patienten am wirkungsvollsten therapieren können. Bei spĂ€teren Untersuchungen lassen sich die Erfolge einer Therapie mit großer Genauigkeit bestimmten und auswerten.

Medienkontakt

UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen
Abteilung fĂŒr Nuklearmedizin und Klinische Molekulare Bildgebung
Prof. Dr. med. Christian la FougĂšre
Tel. 07071/29-8 65 53
E-Mail: Christian.LaFougere@med.uni-tuebingen.de


Weitere Informationen:

http://www.medizin.uni-tuebingen.de UniversitĂ€tsklinikumTĂŒbingen

Pressemitteilung
UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen, Dr. Ellen Katz


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Onkologische Zweitmeinung mit QualitÀtssiegel

Köln, 24. November 2014 – Zweitmeinungen können bei Patienten mit onkologischen Erkrankungen das Vertrauen in die Anti-Tumor-Therapie stĂ€rken und dazu beitragen, ein optimales Behandlungskonzept zu erstellen. Allerdings muss eine hohe QualitĂ€t der Zweitmeinung gewĂ€hrleistet sein. Der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. kooperiert ab sofort mit der IKK gesund plus aus Sachsen-Anhalt, um eine qualitativ hochwertige onkologische Zweitmeinungen innerhalb der GKV zu ermöglichen.

Das Einholen von Zweitmeinungen ist in der Medizin nichts Neues: Schon immer haben Ärzte, die sich bei einer Diagnose oder Therapieentscheidung unsicher fĂŒhlten, bei Kollegen mit spezifischer Expertise um Rat gefragt. Und schon immer gab es Patienten, die mehr als nur einen Arzt aufgesucht haben, bevor sie sich mit einer vorgeschlagenen Behandlung einverstanden erklĂ€rten. In Zeiten zunehmender QualitĂ€tsdiskussionen im Gesundheitswesen und nicht zuletzt auch dank des Internets haben Ă€rztliche Zweitmeinungen in den letzten Jahren deutlich an PopularitĂ€t gewonnen. Hinter vielen Angeboten stecken oftmals kommerzielle Interessen.

Onkologische Zweitmeinung auf Kassengutschein
Mit einer neuen Projektkooperation wollen der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. und die Krankenkasse IKK gesund plus aus Sachsen-Anhalt jetzt dafĂŒr sorgen, dass Patienten mit hĂ€matologischen oder onkologischen Erkrankungen auf Wunsch eine Zweitmeinung erhalten, bei der die QualitĂ€t stimmt und die Finanzierung geregelt ist. “Die Einbindung des BNHO ist dabei eine Art QualitĂ€tssiegel fĂŒr die Zweitmeinung”, erlĂ€utert der BNHO-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Armin Goetzenich. “Unsere Mitglieder sind ausgewiesene Krebsspezialisten mit langjĂ€hriger Erfahrung in der Behandlung und emotionalen Begleitung von Krebspatienten. Niemand ist besser geeignet, eine qualifizierte Zweitmeinung zu erstellen, die den Patienten auch wirklich weiterhilft.” Herausragendes Element der neuen Projektkooperation ist, dass die niedergelassenen Krebsspezialisten die Zweitmeinung nicht auf Basis der Patientenakte erstellen, sondern im Rahmen der persönlichen Vorstellung und Untersuchung.

Kooperation bringt Vorteile fĂŒr alle Beteiligten
“Aus unserer Sicht ist die Projektkooperation mit dem BNHO optimal”, betont Uwe Schröder, Vorstand der IKK gesund plus. “Zweitmeinungen werden insbesondere von Krebspatienten zunehmend nachgefragt. Als IKK gesund plus können wir Patienten mit Krebserkrankungen bei entsprechenden Anfragen jetzt ein attraktives und vor allem qualitativ hochwertiges Serviceangebot machen. Dadurch wird sich die Zufriedenheit der Patienten mit der Versorgung verbessern, und gleichzeitig tragen wir bei den oft sehr aufwĂ€ndigen Krebstherapien zu einer besseren VersorgungsqualitĂ€t bei.”

Aus Sicht der Patienten wird durch die Projektkooperation von BNHO und IKK gesund plus nicht nur die Erstattung der Kosten fĂŒr die Zweitmeinung klar und unbĂŒrokratisch geregelt. Die “Zweitmeinung mit BNHO-Siegel” erspart den Patienten auch eine zeitraubende Suche nach entsprechenden Experten und schĂŒtzt vor Anbietern mit kommerziellem Interesse. Politisch werden BNHO und IKK gesund plus mit ihrer Initiative zu einem Trendsetter: Das VersorgungsstĂ€rkungsgesetz, das sich derzeit in der politischen Abstimmung befindet, soll ein Recht auf Zweitmeinung im Gesetz verankern. Die Details regelt der Gemeinsame Bundesausschuss. “Bis das so weit ist, werden sicherlich von unserem Projekt schon viele Krebspatienten profitiert haben”, so Goetzenich.

Über den BNHO e.V.
Der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. ist im Mai 2000 mit Sitz in Berlin gegrĂŒndet worden und vertritt bundesweit die berufspolitischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder. Aktuell sind 580 niedergelassene FachĂ€rzte der Inneren Medizin mit Schwerpunkt HĂ€matologie und Onkologie bzw. mit vergleichbarer hauptamtlicher onkologischer TĂ€tigkeit im Berufsverband Mitglied. Die im BNHO zusammengeschlossenen HĂ€matologen und Onkologen behandeln jĂ€hrlich gut 600.000 Krebskranke. Der Vorstand besteht aus acht Personen und wird alle drei Jahre gewĂ€hlt. Die GeschĂ€ftsstelle befindet sich in Köln.

Pressemitteilung der BNHO und IKK gesund plus, Kirsten Thellmann und Ulrike Feldhusen


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Impfung gegen Kopf-Hals-Tumoren verbessert Prognose von Krebspatienten

Die Prognosen fĂŒr Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sind schlecht. Nur jeder zweite hat die Chance, diese bösartige Krebserkrankung zu ĂŒberleben. Das liegt nicht nur an der AggressivitĂ€t der Krebszellen, sondern auch an ihrer FĂ€higkeit, das Immunsystem der Erkrankten zu unterdrĂŒcken. Mediziner der UniversitĂ€ten Ulm und Pittsburgh (USA) haben nun einen neuen immuntherapeutischen Ansatz entwickelt und in einer klinischen Studie mit 16 Kopf-Hals-Karzinom-Patienten erfolgreich getestet. „Mit einer speziellen Impfung ist es uns gelungen, durch die spezifische Aktivierung des Immunsystems die Überlebensprognose der Patienten nachweislich zu verbessern“, erklĂ€rt PD Dr. Patrick Schuler. Er ist Facharzt fĂŒr Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am UniversitĂ€tsklinikum Ulm und Erstautor der in „Clinical Cancer Research“ veröffentlichten Studie. Die Publikation wurde jĂŒngst mit dem Forschungspreis der Walter Schulz Stiftung – dotiert mit 10 000 Euro – ausgezeichnet.

Dem Ulmer Wissenschaftler gelang es in der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Professor Robert Ferris (University of Pittsburgh) so genannte dendritische Zellen der Tumorpatienten im Reagenzglas zu zĂŒchten und biotechnologisch fĂŒr den Kampf gegen Krebszellen „scharf zu machen“. Diese besonderen Immunzellen weisen astartige Verzweigungen auf und dienen der Antigen-PrĂ€sentation. Denn fĂŒr eine spezifische Immunantwort braucht es genaue Hinweise auf die Aggressorzellen. „Wir haben die ZelloberflĂ€che der dendritischen Zellen mit p53 beladen, einem besonderen Protein, das bei der DNA-Reparatur und Regulation des Zellzyklus eine zentrale Rolle spielt und in mutierter Form besonders hĂ€ufig in Krebszellen vorkommt“, erlĂ€utert Schuler.

Diese speziell behandelten dendritischen Zellen wurden dann in Lymphknoten der Patienten injiziert, wo sie Informationen ĂŒber die OberflĂ€chenstruktur des Krebsmarkers an die T-Zellen ĂŒbermitteln. Mit Hilfe dieser Informationen gelingt es diesen T-Zellen, einzelne Tumorzellen im Körper besser zu erkennen und schließlich zu vernichten. „Durch die Injektion der `p53-beladenenÂŽ dendritischen Zellen wird eine dauerhafte Immunabwehr aufgebaut, weshalb wir bei dieser Methode von Tumor-Impfung sprechen“, so der gebĂŒrtige Kalifornier, der in WĂŒrzburg, Toronto und Uppsala Humanmedizin studiert und am Hillman Cancer Center in Pittsburgh (USA) promoviert hat.

In der Praxis wurde die Tumorimpfung bei 16 Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Tumor durchgefĂŒhrt, die zuvor im Rahmen einer Standard-Tumortherapie behandelt wurden. Im Blut der Patienten befanden sich nach der Impfung deutlich mehr Tumor-spezifische T-Zellen, die fĂŒr eine zielgenaue BekĂ€mpfung der Krebszellen wichtig sind. Etwas seltener als zuvor waren dagegen die regulatorischen Immunzellen zu finden, die fĂŒr die UnterdrĂŒckung der Immunabwehr verantwortlich sind. Durch die Impfung konnte das Immunsystem also in doppelter Hinsicht gestĂ€rkt werden. FĂŒr die Patienten war damit eine deutlich bessere Prognose verbunden. Die Überlebensrate stieg deutlich im Vergleich zu den Patientengruppen ohne Impfung. „Dieser Tumor-immunologische Ansatz könnte kĂŒnftig allein oder in Kombination mit konventionellen Behandlungskonzepten eingesetzt werden. Dies wĂ€re fĂŒr viele Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren eine wertvolle neue Therapieoption“, versichert HNO-Facharzt Schuler.

Zusatzinformation
Der mit 10 000 Euro dotierte Forschungspreis der Walter Schulz Stiftung wurde am 22. Oktober in MĂŒnchen an PD Dr. Patrick Schuler verliehen. Die Stiftung vergibt seit 1995 einen Forschungspreis fĂŒr Arbeiten zur kliniknahen Krebsforschung, insbesondere der Tumorbiologie und Tumorimmunologie, an junge Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen. Schirmherrin ist die Ärztin Dr. Antje-Katrin KĂŒhnemann, die engagiert zum Bekanntheitsgrad der Stiftung beitrĂ€gt.

Weitere Informationen:
PD Dr. Patrick Schuler: Email: patrick.schuler@uniklinik-ulm.de,

Publikationshinweis
Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift veröffentlicht: Schuler PJ, Harasymczuk M, Visus C, DeLeo A, Argiris A, Gooding W, Butterfield LH, Whiteside TL, Ferris RL. Phase I dendritic cell p53 peptide vaccine for head and neck cancer. In: `Clinical Cancer ResearchŽ 2014; 1;20(9):2433-44. doi: 10.1158/1078-0432.CCR-13-2617.

Pressemitteilung
UniversitÀt Ulm, Andrea  Weber-Tuckermann


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Leiden Migranten hÀufiger an Krebs?

Wissenschaftler des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg und am UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf untersuchen Krebserkrankungen bei Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion / Die Deutsche Krebshilfe fördert das dreijĂ€hrige Forschungsprojekt

LebensumstĂ€nde, individuelles Verhalten, genetische Faktoren – viele EinflĂŒsse tragen dazu bei, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt. Wandern Menschen in ein anderes Land aus, zeigen Tumorerkrankungen bei ihnen oft ein von der einheimischen Bevölkerung abweichendes Verteilungsmuster. Wie sich Krebs-Neuerkrankungen und Überlebenszeiten von Aussiedlern der ehemaligen Sowjetunion von denen der deutschen Gesamtbevölkerung unterscheiden, untersuchen Wissenschaftler des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg gemeinsam mit Kollegen des Instituts fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 186.000 Euro. Dieses ist auf drei Jahre angelegt und soll langfristig helfen, Krebserkrankungen bei Aussiedlern einzudĂ€mmen.

Seit 1990 sind rund 2,1 Millionen (SpĂ€t-)Aussiedler aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingereist. Die Zahl der jĂ€hrlich neu auftretenden Krebserkrankungen und auch das Risiko daran zu sterben, sind bei Aussiedlern und Deutschen auf den ersten Blick sehr Ă€hnlich. „In frĂŒheren Studien konnten wir jedoch zeigen, dass es bei den einzelnen Krebsarten deutliche Unterschiede gibt – das Risiko an Magenkrebs zu sterben, ist bei Aussiedlern zum Beispiel deutlich höher“, erklĂ€rt Dr. Volker Winkler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg und Leiter der Studie. „Wir wollen die HintergrĂŒnde fĂŒr diese Unterschiede besser verstehen und so langfristig helfen die Gesundheitssituation dieser Bevölkerungsgruppe zu verbessern.“

FĂŒr ihre Studie werten die Wissenschaftler Daten des Krebsregisters Nordrhein-Westfalen aus. „Die meisten Aussiedler aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion sind zwischen 1990 und 1993 zu uns gekommen – so weit reicht kaum ein Krebsregister in Deutschland zurĂŒck“, sagt Dr. Winkler. Der Regierungsbezirk MĂŒnster erfasst jedoch bereits seit den 1980er Jahren Krebserkrankungen seiner Bevölkerung und bietet somit eine optimale Grundlage fĂŒr die Studie. Das Forscherteam untersucht die DatensĂ€tze von 1990 bis Ende 2012 und ermittelt das Überleben der Krebskranken zudem anhand der Einwohnermelderegister.

Damit möchten die Wissenschaftler herausfinden, ob sich das Verteilungsmuster von Krebserkrankungen bei den Aussiedlern im Laufe der Jahre an das der deutschen Bevölkerung anpasst. „Unsere Ergebnisse können RĂŒckschlĂŒsse auf mögliche Ursachen fĂŒr die Abweichungen geben und Ideen fĂŒr PrĂ€ventionsstrategien liefern“, betont Professor Heiko Becher vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die ersten epidemiologischen Untersuchungen bei Aussiedlern vor ĂŒber zehn Jahren initiierte und als Kooperationspartner in dieser Studie mit Dr. Winkler zusammenarbeitet. „Dass bestimmte Krebserkrankungen in einer Bevölkerungsgruppe hĂ€ufiger vorkommen, kann zudem ein wichtiger Hinweis fĂŒr Ärzte in ihrer tĂ€glichen Arbeit sein.“

Weitere Informationen im Internet:
Deutsche Krebshilfe
http://www.krebshilfe.de/nc/startseite.html

Institut fĂŒr Public Health (Webseite auf Englisch)
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Institute-of-Public-Health.5358.0.html

Institut fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie, UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf
http://www.uke.de/institute/biometrie/

Kontakt:
Dr. Volker Winkler
Institut fĂŒr Public Health, UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg
Tel. 06221-565031
Volker.Winkler@urz.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Heiko Becher
Institut fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie, UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf
Tel: 040 7410 59550
h.becher@uke.de

UniversitÀtsklinikum und Medizinische FakultÀt Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Heidelberg zĂ€hlt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung fĂŒr den Patienten. Klinikum und FakultĂ€t beschĂ€ftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jĂ€hrlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationĂ€r und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen AusbildungsgĂ€nge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei RĂŒckfragen von Journalisten:
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
UniversitÀtsklinikum und Medizinische FakultÀt der UniversitÀt Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

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Pressemitteilung
UniversitÀtsklinikum Heidelberg, Julia Bird


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Hautkrebsmedikament kann Blutkrebs fördern

Bunt und gefĂ€hrlich: Zellen der Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie erscheinen unter dem Fluoreszenz-Mikroskop dreifarbig. Rot: Zytoskelett, blau: Zellkern, grĂŒn: Zytoplasma. - Quelle: UniversitĂ€tsklinikum Freiburg/Niuscha Yaktapour

Bunt und gefĂ€hrlich: Zellen der Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie erscheinen unter dem Fluoreszenz-Mikroskop dreifarbig. Rot: Zytoskelett, blau: Zellkern, grĂŒn: Zytoplasma.
- Quelle: UniversitÀtsklinikum Freiburg/Niuscha Yaktapour

Das Hautkrebsmedikament Vemurafenib kann den Blutkrebs „Chronisch Lymphatische LeukĂ€mie“ begĂŒnstigen. Dies zeigten die Wissenschaftler an Patienten- und Labordaten. Unter Laborbedingungen gelang es den Forschern den Ausbruch der LeukĂ€mie mit einem zweiten Medikament zu unterdrĂŒcken. Potenziell betroffen sind nach Aussagen der Ärzte alle mit Vemurafenib behandelten Patienten. Die Forscher empfehlen daher eine zukĂŒnftig engmaschigere Kontrolle bestimmter Blutwerte bei Vemurafenib-Gabe. Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation erschienen und wurde in der Fachzeitschrift Cancer Discovery hervorgehoben.

Geleitet wurde die Studie von Wissenschaftlern der Klinik fĂŒr Innere Medizin I und der Klinik fĂŒr Dermatologie und Venerologie des UniversitĂ€tsklinikums Freiburg sowie des Instituts fĂŒr molekulare Medizin und Zellforschung und des Exzellenzcluster BIOSS ‚Centre for Biological Signalling Studies‘ der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg.

Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist eine der gefĂ€hrlichsten Krebsarten. Mit zwei seit 2011 zugelassenen Medikamenten (Vemurafenib und Dabrafenib) können knapp die HĂ€lfte der Patienten erfolgreich behandelt werden. Doch nun zeigen Freiburger Wissenschaftler erstmals, dass das Medikament den Ausbruch einer Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie begĂŒnstigen kann. Dabei kommt es zur ĂŒbermĂ€ĂŸigen Vermehrung weißer Blutkörperchen. Vermutlich war die LeukĂ€mie bei dem untersuchten Patienten bereits zuvor latent vorhanden, wurde durch die Behandlung jedoch aktiv. „Die neu entdeckte Nebenwirkung kann potentiell bei jedem Patienten auftreten, der mit einem solchen Medikament behandelt wird“, erklĂ€rt Prof. Dr. Robert Zeiser und empfiehlt: „In Zukunft sollte das Blutbild wĂ€hrend einer solchen Therapie regelmĂ€ĂŸig auf derartige Ver-Ă€nderungen hin untersucht werden.“

Im untersuchten Fall normalisierte sich die Zahl der Blutzellen nach Absetzen des Medikaments wieder. Dies ist nach Aussage der Ärzte aber nicht zwangslĂ€ufig. Im Labor konnte die Erst-Autorin der Studie, Niuscha Yaktapour, durch Gabe eines zweiten Wirkstoffs die LeukĂ€mie-Zellen hemmen. Dass ein Krebsmedikament die Vermehrung eigentlich gesunder Zellen anregt, wird als ‚paradoxe Aktivierung‘ bezeichnet. Die aktuelle Studie beschreibt erstmals den genauen Mechanismus in den entsprechenden CLL- Zellen und erlaubt damit auch die zielgerichtete Suche nach weiteren Medikamenten.

Möglich geworden war die Identifizierung der neuen Nebenwirkung durch die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen und der klini-schen und Grundlagenforschung. „Die Studie ist ein hervorragendes Beispiel fĂŒr interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit“, sagt Dr. Tilman Brummer. „Besonders erfreulich ist, dass wir auf allen Ebenen davon profitieren kön-nen: in der Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie.“

Originaltitel der Arbeit:
BRAF inhibitor–associated ERK activation drives development of chronic lymphocytic leukemia, doi:10.1172/JCI76539

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Zeiser
Oberarzt
Klinik fĂŒr Innere Medizin I
Telefon: 0761 270-362 50
Robert.Zeiser@uniklinik-freiburg.de


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