Warum Krebszellen trotz Sauerstoffmangel wachsen

Unter Sauerstoffmangel fördert PHD3 die Aufnahme des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors, das Wachstum erlahmt. In Tumorzellen ist der Prozess gestört, die Zelle wÀchst trotz Sauerstoffmangels. - Garvalov et al., Nature Communications

Unter Sauerstoffmangel fördert PHD3 die Aufnahme des epidermalen Wachstumsfaktorrezeptors, das Wachstum erlahmt. In Tumorzellen ist der Prozess gestört, die Zelle wĂ€chst trotz Sauerstoffmangels. – Garvalov et al., Nature Communications

Gesunde Zellen verlangsamen bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ihr Wachstum. Umso erstaunlicher ist es, dass Hypoxie ein charakteristisches Merkmal bösartiger Tumore ist. Wie es Krebszellen gelingt, das genetische Programm der Wachstumsbremse zu umgehen, berichten Forscher der Goethe-UniversitĂ€t und der Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen in zwei Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

FRANKFURT/GIESSEN. Gesunde Zellen verlangsamen bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ihr Wachstum. Umso erstaunlicher ist es, dass Hypoxie ein charakteristisches Merkmal bösartiger Tumore ist. Wie es Krebszellen gelingt, das genetische Programm der Wachstumsbremse zu umgehen, berichten Forscher der Goethe-UniversitĂ€t und der Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen in zwei Publikationen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“.

Seit lĂ€ngerem ist bekannt, dass PHD-Proteine (Prolyl-Hydroxylase-DomĂ€nen-Proteine) eine SchlĂŒsselrolle bei der Regulatoren der Hypoxie spielen. Sie kontrollieren die StabilitĂ€t der Hypoxie-induzierten Transkriptionsfaktoren (HIFs), welche die Anpassung der Zelle an Sauerstoffmangel steuern. Nun hat das Team von Prof. Amparo Acker-Palmer, Goethe-UniversitĂ€t, und Prof. Till Acker, Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen, herausgefunden, dass ein spezielles PHD-Protein, PHD3, auch den epidermalen Wachstumsfaktorrezeptor (EGFR) kontrolliert.

In gesunden Zellen antwortet PHD3 auf Stress wie Sauerstoffmangel, indem es die Aufnahme des EGF-Rezeptors ins Zellinnere steuert. Durch diese Internalisierung werden die Wachstumssignale herab reguliert. „Wir haben herausgefunden, dass PHD3 als GerĂŒstprotein dient, an dem zentrale Adapterproteine wie Eps15 und Epsin1 binden, um die Aufnahme von EGFR in die Zelle zu fördern“, so Acker-Palmer. In Tumorzellen ist dieser Prozess aufgrund des Verlusts von PHD3 gestört. Infolgedessen wird die Internalisierung von EGFR unterdrĂŒckt, was zu einer ĂŒbermĂ€ĂŸigen AktivitĂ€t der EGFR-Signale und damit dem unkontrollierten Wachstum der Zelle fĂŒhrt.

Die Forschergruppe konnte zeigen, dass der Verlust von PHD3 ein entscheidender Schritt beim Wachstum humaner maligner Hirntumore (Glioblastome) ist. Die Tumorzellen werden dadurch unabhĂ€ngig von den wachstumshemmenden Signalen unter Sauerstoffmangel. „Klinisch ist diese Entdeckung hochrelevant, weil sie einen alternativen Mechanismus der Hyperaktivierung des EGF-Rezeptors zeigt, der unabhĂ€ngig von seiner genetischen Amplifikation ist. Therapeutisch kann er durch EGFR-Inhibitoren unterdrĂŒckt werden“, erklĂ€rt Till Acker, Neuropathologe an der UniversitĂ€t Gießen.

“Unsere Arbeit zeigt eine unerwartete und neue Funktion des PHD3 an der Schnittstelle von zwei brandaktuellen Forschungsgebieten: Sauerstoffmessung und EGFR-Signaling”, erklĂ€rt Acker-Palmer. „Dies beweist erneut, wie groß die Bedeutung der Rezeptor-Internalisierung in der Krebsentwicklung ist“. Diesen Zusammenhang hatte das Forscherteam bereits 2010 fĂŒr die Tumor-Angiogenese gezeigt (Sawamiphak et al, Nature 2010).

Publikationen:
Henze et al: Loss of PHD3 allows tumours to overcome hypoxic growth inhibition and sustain proliferation through EGFR, Nature communications, 25.11.2014, DOI: 10.1038/ncomms6582

Garvalov et al.: PHD3 regulates EGFR internalization and signalling in tumours, Nature communications, 25.11.2014, DOI: 10.1038/ncomms6577

Informationen:
Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut fĂŒr Zellbiologie und Neurowissenschaft und Buchmann Institut fĂŒr Molekulare Lebenswissenschaften, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798- 42563, Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de; Prof. Till Acker, Institut fĂŒr Neuropathologie, UniversitĂ€tsklinikum Gießen und Marburg GmbH, Arndtstraße 16, 35392 Gießen, Tel.: (0641) 99-41181, till.acker@patho.med.uni-giessen.de

Die Goethe-UniversitĂ€t Die Goethe-UniversitĂ€t ist eine forschungsstarke Hochschule in der europĂ€ischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegrĂŒndet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern fĂŒhlt sie sich als BĂŒrgeruniversitĂ€t bis heute dem Motto „Wissenschaft fĂŒr die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und MĂ€nner der ersten Stunde waren jĂŒdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-UniversitĂ€t Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der RĂŒckkehr zu ihren historischen Wurzeln als StiftungsuniversitĂ€t ein einzigartiges Maß an EigenstĂ€ndigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstĂ€rksten und drei grĂ¶ĂŸten UniversitĂ€ten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.

Mehr Informationen unter www2.uni-frankfurt.de/gu100

Die 1607 gegrĂŒndete Justus-Liebig-UniversitĂ€t Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche ForschungsuniversitĂ€t, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften ĂŒber Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissenschaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches FĂ€cherspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und VeterinĂ€rmedizin, Agrar-, Umwelt- und ErnĂ€hrungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von NobelpreistrĂ€gern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis fĂŒr Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC). www.uni-giessen.de

Herausgeber:
Der PrĂ€sident der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt am Main. Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin fĂŒr Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing und Kommunikation, GrĂŒneburgplatz1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-12498, Fax: (069) 798-761 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Pressemitteilung
Goethe-UniversitÀt Frankfurt am Main, Dr. Anne Hardy


-- Download Warum Krebszellen trotz Sauerstoffmangel wachsen als PDF --


Weltweit erstes SPECT/CT einer neuen Generation – bessere Bilder aus dem Körper

Die Nuklearmediziner des TĂŒbinger UniversitĂ€tsklinikums können jetzt ein verbessertes bildgebendes Verfahren einsetzen: Ein SPECT/CT der neuesten Generation wurde wĂ€hrend der vergangenen Wochen installiert. Es ermöglicht komplexe dreidimensionale Darstellungen von Stoffwechsel-VorgĂ€ngen im Körper. Es ist die weltweit erste Anlage einer neuen Generation.

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss - Quelle:Uniklinikum TĂŒbingen

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss – Quelle:Uniklinikum TĂŒbingen

Schon bisherige SPECT/CT-Anlagen haben den besonderen Vorteil von Hybrid-Bildgebung: Sie verbinden zwei unterschiedliche Methoden der Bildgebung – zur selben Zeit und mit derselben Anlage werden also zwei verschiedene Typen medizinischer Bilder erzeugt. Das System errechnet aus diesen beiden Quellen eine dreidimensionale Darstellung, die sowohl die anatomische Struktur im Körper anzeigt als auch die dort ablaufenden Prozesse.

Die Fixpunkte in dieser Darstellung liefert die auf Röntgen basierende Computertomografie. Sie zeigt mit ihren Schnittbildern, wie die Anatomie der untersuchten Körperregion aussieht. Dem zweiten Verfahren liegt die Szintigrafie zugrunde, eine nuklearmedizinische Untersuchung, die sichtbar machen kann, wie in genau diesem Moment der Stoffwechsel von Zellen und Organen ablĂ€uft. DafĂŒr wird Patienten vorab eine schwach radioaktiv markierte Substanz gespritzt, die sich gezielt in jene Prozesse des Körpers einschleust, die untersucht werden sollen. Die Strahlung kann diese AblĂ€ufe dann fĂŒr kurze Zeit sichtbar machen, eine Gamma-Kamera hĂ€lt das fest. Das zweite Verfahren, das Schnittbilder aus mehreren Szintigrafien errechnet, heißt SPECT, was die AbkĂŒrzung fĂŒr Single-Photonen-Emissions-Computertomografie ist. Die Software der Anlage kombiniert am Ende alle Aufnahmen des Tomografen und der Gamma-Kamera zu einer komplexen Darstellung.

„Wir erhalten einen richtigen Film davon, was im Körper gerade stattfindet“, beschreibt Prof. Dr. med. Christian la FougĂšre die Ergebnisse. „Die Knochen, Organe und Gewebe sind sehr gut zu erkennen“, sagt der Lehrstuhlinhaber fĂŒr Nuklearmedizin und klinische molekulare Bildgebung. „Ganz deutlich wird auch, wie der Stoffwechsel in der untersuchten Region ablĂ€uft. Das bietet uns wichtige Anhaltspunkte dafĂŒr, wie eine Krankheit beim Patienten fortschreitet oder wie eine Therapie greift.“

Mit der neuen Anlage „Discovery NM/CT 670 Pro“ des Herstellers GE Healthcare ist TĂŒbingen der momentan modernste Standort dieser Technologie weltweit, berichtet der Nuklearmediziner. Was diese Anlage von der bisherigen Technologie abhebt: Die neue Generation der SPECT/CT-GerĂ€te liefert deutlich prĂ€zisere Darstellungen. Zudem ist es gelungen, Ungenauigkeiten zu minimieren, die man bisher bei dieser Art der Bildgebung in Kauf nehmen musste.
Auf dieser verbesserten Grundlage bietet das System nun erstmals auch quantifizierbare Aussagen. Die Ärzte können also mit mathematischer Genauigkeit definieren und abgleichen, wie intensiv die AktivitĂ€ten im untersuchten Stoffwechsel sind. „Wir können unklare Krankheitsherde nun besser einschĂ€tzen und beurteilen“, sagt Prof. la FougĂšre. Dadurch kann man vielen Patienten weitere Untersuchungen ersparen. Zugleich sind die inneren Strukturen in den neuen Darstellungen viel exakter lokalisiert, bis in den Millimeter-Bereich.

„Informationen einer solchen QualitĂ€t haben wir bislang nur ĂŒber ein anderes Untersuchungsverfahren erhalten, mit dem PET/CT“, erklĂ€rt Prof. la FougĂšre. Das neue Verfahren wird die PET/CT nicht ersetzen, ist aber eine sehr gute Alternative, beispielsweise wenn die Ärzte Bilder des Herzens oder der Knochen brauchen. In manchen Situationen ist es auch von Vorteil, dass die neue Anlage die Strahlung so prĂ€zise quantifizieren kann, prĂ€ziser als ein PET/CT: wenn die Durchblutung der Lunge untersucht wird, wenn man bei EntzĂŒndungsherden bestimmte Fragen klĂ€ren will, auch bei der Beurteilung von SchilddrĂŒsenknoten und zur Diagnose der Parkinson-Krankheit.

Hinzu kommt: Die Patienten werden im modernen SPECT/CT einer geringeren Strahlenbelastung ausgesetzt, weil hier fĂŒr die SPECT-Untersuchung eine niedrigere Dosierung der radioaktiv markierten Substanz ausreicht und zudem das CT mit einer geringeren Strahlenbelastung arbeitet.

Verglichen mit dem bisherigen SPECT/CT wird der Untersuchungsablauf fĂŒr die Patienten etwas angenehmer, weil die neue Technologie schneller arbeitet. „Da Patienten fĂŒr eine solche Untersuchung sehr still liegen mĂŒssen, um optimale Bilder zu erhalten, macht es schon einen Unterschied, ob es 30 Minuten oder nur 15 Minuten dauert“, verdeutlicht la FougĂšre. Der neuen Anlage genĂŒgen beispielsweise 20 Minuten, um die Knochenstruktur eines Patienten ĂŒber den gesamten Körper zu scannen und dreidimensional darzustellen.

Mit einer SPECT/CT-Untersuchung ermitteln die Ärzte hĂ€ufig, wie aktiv ein Tumor ist und wie hoch man bei diesem Patienten bestimmte Medikamente dosieren muss. Neben Krebs können auf diesem Weg auch Herz- und Lungenkrankheiten diagnostiziert werden, ebenso neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Epilepsie. Zudem liefern die Darstellungen des SPECT-CT den Ärzten viele wertvolle Hinweise darĂŒber, auf welchem Weg sie einen Patienten am wirkungsvollsten therapieren können. Bei spĂ€teren Untersuchungen lassen sich die Erfolge einer Therapie mit großer Genauigkeit bestimmten und auswerten.

Medienkontakt

UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen
Abteilung fĂŒr Nuklearmedizin und Klinische Molekulare Bildgebung
Prof. Dr. med. Christian la FougĂšre
Tel. 07071/29-8 65 53
E-Mail: Christian.LaFougere@med.uni-tuebingen.de


Weitere Informationen:

http://www.medizin.uni-tuebingen.de UniversitĂ€tsklinikumTĂŒbingen

Pressemitteilung
UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen, Dr. Ellen Katz


-- Download Weltweit erstes SPECT/CT einer neuen Generation - bessere Bilder aus dem Körper als PDF --


Onkologische Zweitmeinung mit QualitÀtssiegel

Köln, 24. November 2014 – Zweitmeinungen können bei Patienten mit onkologischen Erkrankungen das Vertrauen in die Anti-Tumor-Therapie stĂ€rken und dazu beitragen, ein optimales Behandlungskonzept zu erstellen. Allerdings muss eine hohe QualitĂ€t der Zweitmeinung gewĂ€hrleistet sein. Der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. kooperiert ab sofort mit der IKK gesund plus aus Sachsen-Anhalt, um eine qualitativ hochwertige onkologische Zweitmeinungen innerhalb der GKV zu ermöglichen.

Das Einholen von Zweitmeinungen ist in der Medizin nichts Neues: Schon immer haben Ärzte, die sich bei einer Diagnose oder Therapieentscheidung unsicher fĂŒhlten, bei Kollegen mit spezifischer Expertise um Rat gefragt. Und schon immer gab es Patienten, die mehr als nur einen Arzt aufgesucht haben, bevor sie sich mit einer vorgeschlagenen Behandlung einverstanden erklĂ€rten. In Zeiten zunehmender QualitĂ€tsdiskussionen im Gesundheitswesen und nicht zuletzt auch dank des Internets haben Ă€rztliche Zweitmeinungen in den letzten Jahren deutlich an PopularitĂ€t gewonnen. Hinter vielen Angeboten stecken oftmals kommerzielle Interessen.

Onkologische Zweitmeinung auf Kassengutschein
Mit einer neuen Projektkooperation wollen der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. und die Krankenkasse IKK gesund plus aus Sachsen-Anhalt jetzt dafĂŒr sorgen, dass Patienten mit hĂ€matologischen oder onkologischen Erkrankungen auf Wunsch eine Zweitmeinung erhalten, bei der die QualitĂ€t stimmt und die Finanzierung geregelt ist. “Die Einbindung des BNHO ist dabei eine Art QualitĂ€tssiegel fĂŒr die Zweitmeinung”, erlĂ€utert der BNHO-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Armin Goetzenich. “Unsere Mitglieder sind ausgewiesene Krebsspezialisten mit langjĂ€hriger Erfahrung in der Behandlung und emotionalen Begleitung von Krebspatienten. Niemand ist besser geeignet, eine qualifizierte Zweitmeinung zu erstellen, die den Patienten auch wirklich weiterhilft.” Herausragendes Element der neuen Projektkooperation ist, dass die niedergelassenen Krebsspezialisten die Zweitmeinung nicht auf Basis der Patientenakte erstellen, sondern im Rahmen der persönlichen Vorstellung und Untersuchung.

Kooperation bringt Vorteile fĂŒr alle Beteiligten
“Aus unserer Sicht ist die Projektkooperation mit dem BNHO optimal”, betont Uwe Schröder, Vorstand der IKK gesund plus. “Zweitmeinungen werden insbesondere von Krebspatienten zunehmend nachgefragt. Als IKK gesund plus können wir Patienten mit Krebserkrankungen bei entsprechenden Anfragen jetzt ein attraktives und vor allem qualitativ hochwertiges Serviceangebot machen. Dadurch wird sich die Zufriedenheit der Patienten mit der Versorgung verbessern, und gleichzeitig tragen wir bei den oft sehr aufwĂ€ndigen Krebstherapien zu einer besseren VersorgungsqualitĂ€t bei.”

Aus Sicht der Patienten wird durch die Projektkooperation von BNHO und IKK gesund plus nicht nur die Erstattung der Kosten fĂŒr die Zweitmeinung klar und unbĂŒrokratisch geregelt. Die “Zweitmeinung mit BNHO-Siegel” erspart den Patienten auch eine zeitraubende Suche nach entsprechenden Experten und schĂŒtzt vor Anbietern mit kommerziellem Interesse. Politisch werden BNHO und IKK gesund plus mit ihrer Initiative zu einem Trendsetter: Das VersorgungsstĂ€rkungsgesetz, das sich derzeit in der politischen Abstimmung befindet, soll ein Recht auf Zweitmeinung im Gesetz verankern. Die Details regelt der Gemeinsame Bundesausschuss. “Bis das so weit ist, werden sicherlich von unserem Projekt schon viele Krebspatienten profitiert haben”, so Goetzenich.

Über den BNHO e.V.
Der Berufsverband der Niedergelassenen HĂ€matologen und Onkologen in Deutschland – BNHO e.V. ist im Mai 2000 mit Sitz in Berlin gegrĂŒndet worden und vertritt bundesweit die berufspolitischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder. Aktuell sind 580 niedergelassene FachĂ€rzte der Inneren Medizin mit Schwerpunkt HĂ€matologie und Onkologie bzw. mit vergleichbarer hauptamtlicher onkologischer TĂ€tigkeit im Berufsverband Mitglied. Die im BNHO zusammengeschlossenen HĂ€matologen und Onkologen behandeln jĂ€hrlich gut 600.000 Krebskranke. Der Vorstand besteht aus acht Personen und wird alle drei Jahre gewĂ€hlt. Die GeschĂ€ftsstelle befindet sich in Köln.

Pressemitteilung der BNHO und IKK gesund plus, Kirsten Thellmann und Ulrike Feldhusen


-- Download Onkologische Zweitmeinung mit QualitÀtssiegel als PDF --


Impfung gegen Kopf-Hals-Tumoren verbessert Prognose von Krebspatienten

Die Prognosen fĂŒr Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren sind schlecht. Nur jeder zweite hat die Chance, diese bösartige Krebserkrankung zu ĂŒberleben. Das liegt nicht nur an der AggressivitĂ€t der Krebszellen, sondern auch an ihrer FĂ€higkeit, das Immunsystem der Erkrankten zu unterdrĂŒcken. Mediziner der UniversitĂ€ten Ulm und Pittsburgh (USA) haben nun einen neuen immuntherapeutischen Ansatz entwickelt und in einer klinischen Studie mit 16 Kopf-Hals-Karzinom-Patienten erfolgreich getestet. „Mit einer speziellen Impfung ist es uns gelungen, durch die spezifische Aktivierung des Immunsystems die Überlebensprognose der Patienten nachweislich zu verbessern“, erklĂ€rt PD Dr. Patrick Schuler. Er ist Facharzt fĂŒr Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am UniversitĂ€tsklinikum Ulm und Erstautor der in „Clinical Cancer Research“ veröffentlichten Studie. Die Publikation wurde jĂŒngst mit dem Forschungspreis der Walter Schulz Stiftung – dotiert mit 10 000 Euro – ausgezeichnet.

Dem Ulmer Wissenschaftler gelang es in der Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Professor Robert Ferris (University of Pittsburgh) so genannte dendritische Zellen der Tumorpatienten im Reagenzglas zu zĂŒchten und biotechnologisch fĂŒr den Kampf gegen Krebszellen „scharf zu machen“. Diese besonderen Immunzellen weisen astartige Verzweigungen auf und dienen der Antigen-PrĂ€sentation. Denn fĂŒr eine spezifische Immunantwort braucht es genaue Hinweise auf die Aggressorzellen. „Wir haben die ZelloberflĂ€che der dendritischen Zellen mit p53 beladen, einem besonderen Protein, das bei der DNA-Reparatur und Regulation des Zellzyklus eine zentrale Rolle spielt und in mutierter Form besonders hĂ€ufig in Krebszellen vorkommt“, erlĂ€utert Schuler.

Diese speziell behandelten dendritischen Zellen wurden dann in Lymphknoten der Patienten injiziert, wo sie Informationen ĂŒber die OberflĂ€chenstruktur des Krebsmarkers an die T-Zellen ĂŒbermitteln. Mit Hilfe dieser Informationen gelingt es diesen T-Zellen, einzelne Tumorzellen im Körper besser zu erkennen und schließlich zu vernichten. „Durch die Injektion der `p53-beladenenÂŽ dendritischen Zellen wird eine dauerhafte Immunabwehr aufgebaut, weshalb wir bei dieser Methode von Tumor-Impfung sprechen“, so der gebĂŒrtige Kalifornier, der in WĂŒrzburg, Toronto und Uppsala Humanmedizin studiert und am Hillman Cancer Center in Pittsburgh (USA) promoviert hat.

In der Praxis wurde die Tumorimpfung bei 16 Patienten mit fortgeschrittenem Kopf-Hals-Tumor durchgefĂŒhrt, die zuvor im Rahmen einer Standard-Tumortherapie behandelt wurden. Im Blut der Patienten befanden sich nach der Impfung deutlich mehr Tumor-spezifische T-Zellen, die fĂŒr eine zielgenaue BekĂ€mpfung der Krebszellen wichtig sind. Etwas seltener als zuvor waren dagegen die regulatorischen Immunzellen zu finden, die fĂŒr die UnterdrĂŒckung der Immunabwehr verantwortlich sind. Durch die Impfung konnte das Immunsystem also in doppelter Hinsicht gestĂ€rkt werden. FĂŒr die Patienten war damit eine deutlich bessere Prognose verbunden. Die Überlebensrate stieg deutlich im Vergleich zu den Patientengruppen ohne Impfung. „Dieser Tumor-immunologische Ansatz könnte kĂŒnftig allein oder in Kombination mit konventionellen Behandlungskonzepten eingesetzt werden. Dies wĂ€re fĂŒr viele Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren eine wertvolle neue Therapieoption“, versichert HNO-Facharzt Schuler.

Zusatzinformation
Der mit 10 000 Euro dotierte Forschungspreis der Walter Schulz Stiftung wurde am 22. Oktober in MĂŒnchen an PD Dr. Patrick Schuler verliehen. Die Stiftung vergibt seit 1995 einen Forschungspreis fĂŒr Arbeiten zur kliniknahen Krebsforschung, insbesondere der Tumorbiologie und Tumorimmunologie, an junge Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen. Schirmherrin ist die Ärztin Dr. Antje-Katrin KĂŒhnemann, die engagiert zum Bekanntheitsgrad der Stiftung beitrĂ€gt.

Weitere Informationen:
PD Dr. Patrick Schuler: Email: patrick.schuler@uniklinik-ulm.de,

Publikationshinweis
Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift veröffentlicht: Schuler PJ, Harasymczuk M, Visus C, DeLeo A, Argiris A, Gooding W, Butterfield LH, Whiteside TL, Ferris RL. Phase I dendritic cell p53 peptide vaccine for head and neck cancer. In: `Clinical Cancer ResearchŽ 2014; 1;20(9):2433-44. doi: 10.1158/1078-0432.CCR-13-2617.

Pressemitteilung
UniversitÀt Ulm, Andrea  Weber-Tuckermann


-- Download Impfung gegen Kopf-Hals-Tumoren verbessert Prognose von Krebspatienten als PDF --


Leiden Migranten hÀufiger an Krebs?

Wissenschaftler des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg und am UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf untersuchen Krebserkrankungen bei Aussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion / Die Deutsche Krebshilfe fördert das dreijĂ€hrige Forschungsprojekt

LebensumstĂ€nde, individuelles Verhalten, genetische Faktoren – viele EinflĂŒsse tragen dazu bei, ob ein Mensch im Laufe seines Lebens an Krebs erkrankt. Wandern Menschen in ein anderes Land aus, zeigen Tumorerkrankungen bei ihnen oft ein von der einheimischen Bevölkerung abweichendes Verteilungsmuster. Wie sich Krebs-Neuerkrankungen und Überlebenszeiten von Aussiedlern der ehemaligen Sowjetunion von denen der deutschen Gesamtbevölkerung unterscheiden, untersuchen Wissenschaftler des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg gemeinsam mit Kollegen des Instituts fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 186.000 Euro. Dieses ist auf drei Jahre angelegt und soll langfristig helfen, Krebserkrankungen bei Aussiedlern einzudĂ€mmen.

Seit 1990 sind rund 2,1 Millionen (SpĂ€t-)Aussiedler aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland eingereist. Die Zahl der jĂ€hrlich neu auftretenden Krebserkrankungen und auch das Risiko daran zu sterben, sind bei Aussiedlern und Deutschen auf den ersten Blick sehr Ă€hnlich. „In frĂŒheren Studien konnten wir jedoch zeigen, dass es bei den einzelnen Krebsarten deutliche Unterschiede gibt – das Risiko an Magenkrebs zu sterben, ist bei Aussiedlern zum Beispiel deutlich höher“, erklĂ€rt Dr. Volker Winkler, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts fĂŒr Public Health am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg und Leiter der Studie. „Wir wollen die HintergrĂŒnde fĂŒr diese Unterschiede besser verstehen und so langfristig helfen die Gesundheitssituation dieser Bevölkerungsgruppe zu verbessern.“

FĂŒr ihre Studie werten die Wissenschaftler Daten des Krebsregisters Nordrhein-Westfalen aus. „Die meisten Aussiedler aus LĂ€ndern der ehemaligen Sowjetunion sind zwischen 1990 und 1993 zu uns gekommen – so weit reicht kaum ein Krebsregister in Deutschland zurĂŒck“, sagt Dr. Winkler. Der Regierungsbezirk MĂŒnster erfasst jedoch bereits seit den 1980er Jahren Krebserkrankungen seiner Bevölkerung und bietet somit eine optimale Grundlage fĂŒr die Studie. Das Forscherteam untersucht die DatensĂ€tze von 1990 bis Ende 2012 und ermittelt das Überleben der Krebskranken zudem anhand der Einwohnermelderegister.

Damit möchten die Wissenschaftler herausfinden, ob sich das Verteilungsmuster von Krebserkrankungen bei den Aussiedlern im Laufe der Jahre an das der deutschen Bevölkerung anpasst. „Unsere Ergebnisse können RĂŒckschlĂŒsse auf mögliche Ursachen fĂŒr die Abweichungen geben und Ideen fĂŒr PrĂ€ventionsstrategien liefern“, betont Professor Heiko Becher vom UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die ersten epidemiologischen Untersuchungen bei Aussiedlern vor ĂŒber zehn Jahren initiierte und als Kooperationspartner in dieser Studie mit Dr. Winkler zusammenarbeitet. „Dass bestimmte Krebserkrankungen in einer Bevölkerungsgruppe hĂ€ufiger vorkommen, kann zudem ein wichtiger Hinweis fĂŒr Ärzte in ihrer tĂ€glichen Arbeit sein.“

Weitere Informationen im Internet:
Deutsche Krebshilfe
http://www.krebshilfe.de/nc/startseite.html

Institut fĂŒr Public Health (Webseite auf Englisch)
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Institute-of-Public-Health.5358.0.html

Institut fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie, UniversitĂ€tsklinikum Hamburg-Eppendorf
http://www.uke.de/institute/biometrie/

Kontakt:
Dr. Volker Winkler
Institut fĂŒr Public Health, UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg
Tel. 06221-565031
Volker.Winkler@urz.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Heiko Becher
Institut fĂŒr Medizinische Biometrie und Epidemiologie, UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf
Tel: 040 7410 59550
h.becher@uke.de

UniversitÀtsklinikum und Medizinische FakultÀt Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Heidelberg zĂ€hlt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung fĂŒr den Patienten. Klinikum und FakultĂ€t beschĂ€ftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jĂ€hrlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationĂ€r und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen AusbildungsgĂ€nge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei RĂŒckfragen von Journalisten:
Julia Bird
Referentin Unternehmenskommunikation / Pressestelle
UniversitÀtsklinikum und Medizinische FakultÀt der UniversitÀt Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7071
Fax: 06221 56-4544
E-Mail: julia.bird@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfĂŒgbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Besuchen Sie das UniversitÀtsklinikum Heidelberg auch bei:
Facebook: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/facebook
Twitter: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/twitter
Youtube: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/youtube

Pressemitteilung
UniversitÀtsklinikum Heidelberg, Julia Bird


-- Download Leiden Migranten hÀufiger an Krebs? als PDF --


Hautkrebsmedikament kann Blutkrebs fördern

Bunt und gefĂ€hrlich: Zellen der Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie erscheinen unter dem Fluoreszenz-Mikroskop dreifarbig. Rot: Zytoskelett, blau: Zellkern, grĂŒn: Zytoplasma. - Quelle: UniversitĂ€tsklinikum Freiburg/Niuscha Yaktapour

Bunt und gefĂ€hrlich: Zellen der Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie erscheinen unter dem Fluoreszenz-Mikroskop dreifarbig. Rot: Zytoskelett, blau: Zellkern, grĂŒn: Zytoplasma.
- Quelle: UniversitÀtsklinikum Freiburg/Niuscha Yaktapour

Das Hautkrebsmedikament Vemurafenib kann den Blutkrebs „Chronisch Lymphatische LeukĂ€mie“ begĂŒnstigen. Dies zeigten die Wissenschaftler an Patienten- und Labordaten. Unter Laborbedingungen gelang es den Forschern den Ausbruch der LeukĂ€mie mit einem zweiten Medikament zu unterdrĂŒcken. Potenziell betroffen sind nach Aussagen der Ärzte alle mit Vemurafenib behandelten Patienten. Die Forscher empfehlen daher eine zukĂŒnftig engmaschigere Kontrolle bestimmter Blutwerte bei Vemurafenib-Gabe. Die Studie ist in der renommierten Fachzeitschrift Journal of Clinical Investigation erschienen und wurde in der Fachzeitschrift Cancer Discovery hervorgehoben.

Geleitet wurde die Studie von Wissenschaftlern der Klinik fĂŒr Innere Medizin I und der Klinik fĂŒr Dermatologie und Venerologie des UniversitĂ€tsklinikums Freiburg sowie des Instituts fĂŒr molekulare Medizin und Zellforschung und des Exzellenzcluster BIOSS ‚Centre for Biological Signalling Studies‘ der Albert-Ludwigs-UniversitĂ€t Freiburg.

Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist eine der gefĂ€hrlichsten Krebsarten. Mit zwei seit 2011 zugelassenen Medikamenten (Vemurafenib und Dabrafenib) können knapp die HĂ€lfte der Patienten erfolgreich behandelt werden. Doch nun zeigen Freiburger Wissenschaftler erstmals, dass das Medikament den Ausbruch einer Chronisch Lymphatischen LeukĂ€mie begĂŒnstigen kann. Dabei kommt es zur ĂŒbermĂ€ĂŸigen Vermehrung weißer Blutkörperchen. Vermutlich war die LeukĂ€mie bei dem untersuchten Patienten bereits zuvor latent vorhanden, wurde durch die Behandlung jedoch aktiv. „Die neu entdeckte Nebenwirkung kann potentiell bei jedem Patienten auftreten, der mit einem solchen Medikament behandelt wird“, erklĂ€rt Prof. Dr. Robert Zeiser und empfiehlt: „In Zukunft sollte das Blutbild wĂ€hrend einer solchen Therapie regelmĂ€ĂŸig auf derartige Ver-Ă€nderungen hin untersucht werden.“

Im untersuchten Fall normalisierte sich die Zahl der Blutzellen nach Absetzen des Medikaments wieder. Dies ist nach Aussage der Ärzte aber nicht zwangslĂ€ufig. Im Labor konnte die Erst-Autorin der Studie, Niuscha Yaktapour, durch Gabe eines zweiten Wirkstoffs die LeukĂ€mie-Zellen hemmen. Dass ein Krebsmedikament die Vermehrung eigentlich gesunder Zellen anregt, wird als ‚paradoxe Aktivierung‘ bezeichnet. Die aktuelle Studie beschreibt erstmals den genauen Mechanismus in den entsprechenden CLL- Zellen und erlaubt damit auch die zielgerichtete Suche nach weiteren Medikamenten.

Möglich geworden war die Identifizierung der neuen Nebenwirkung durch die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachdisziplinen und der klini-schen und Grundlagenforschung. „Die Studie ist ein hervorragendes Beispiel fĂŒr interdisziplinĂ€re Zusammenarbeit“, sagt Dr. Tilman Brummer. „Besonders erfreulich ist, dass wir auf allen Ebenen davon profitieren kön-nen: in der Grundlagenforschung, Diagnostik und Therapie.“

Originaltitel der Arbeit:
BRAF inhibitor–associated ERK activation drives development of chronic lymphocytic leukemia, doi:10.1172/JCI76539

Kontakt:
Prof. Dr. Robert Zeiser
Oberarzt
Klinik fĂŒr Innere Medizin I
Telefon: 0761 270-362 50
Robert.Zeiser@uniklinik-freiburg.de


-- Download Hautkrebsmedikament kann Blutkrebs fördern als PDF --


Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung erforscht Resistenzen bei Therapie

In Deutschland erkranken laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Urologie jĂ€hrlich rund 16.500 Menschen an einem Nierenzellkarzinom. Bei rund 50 Prozent der Patienten bilden sich Metastasen. Mediziner behandeln diese zielgerichtet mit speziellen Wirkstoffen. Doch bei einigen Patienten ist der Tumor dagegen resistent. Die Biologin Bozhena Vynnytska-Myronovska arbeitet an der Klinik fĂŒr Urologie und Kinderurologie des Uniklinikums in Homburg daran, die Ursachen fĂŒr diese Resistenzen zu finden, um so auch neue Wege der Therapie zu entwickeln. Die Alexander von Humboldt-Stiftung unterstĂŒtzt sie dabei fĂŒr zwei Jahre mit einem Stipendium.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler fĂŒr Patienten, bei denen Nierenzellkarzinome Metastasen gebildet haben, verschiedene zielgerichtete Therapeutika entwickelt. Diese Wirkstoffe greifen in bestimmte Signalwege der Tumorzellen und der BlutgefĂ€ĂŸ-Zellen im Tumor ein. Auch die sogenannten Tyrosinkinaseinhibitoren zĂ€hlen zu diesen Substanzen. Auf dieses Mittel sprechen allerdings nicht alle Tumore an. „Diese Resistenzen können von Anfang an da sein oder sich mit der Zeit entwickeln“, sagt Bozhena Vynnytska-Myronovska. Die Biologin möchte herausfinden, wo die Ursachen dafĂŒr liegen. Dazu wird sie Tumorzellen zĂŒchten, mit dem Therapeutikum behandeln und MolekĂŒle aus bestimmten Signalwegen analysieren.

„Wir möchten die Prozesse der Therapieresistenz besser verstehen, um diesen entgegenzuwirken, etwa indem wir die Signalwege hemmen, die zur Resistenz fĂŒhren“, sagt Professorin Dr. Kerstin Junker, Leiterin des Labors fĂŒr Molekular- und Zellbiologie an der Klinik fĂŒr Urologie und Kinderurologie. DarĂŒber hinaus sei es möglich, biologische Marker zu finden, die anzeigen, ob ein Patient auf die Behandlung ansprechen wird.

Ziel ist es, diese Therapieform zielgerichteter einzusetzen, um so das Überleben der Patienten mit metastasierten Nierenkarzinomen zu verbessern oder Patienten, die nicht ansprechen, die Therapie zu ersparen.

Bozhena Vynnytska-Myronovska hat im ukrainischen Lemberg Biologie studiert und dort promoviert. Das Stipendium ermöglicht es ihr nun, ihre Forschungsarbeit in Homburg fortzusetzen. Die Alexander von Humboldt-Stiftung vergibt jedes Jahr 700 Stipendien und Preise an Wissenschaftler aus aller Welt.

Fragen beantworten:
Dr. Bozhena Vynnytska-Myronovska
Klinik fĂŒr Urologie und Kinderurologie
UniversitÀtsklinikum des Saarlandes
Tel.: 06841 16-14754
E-Mail: bozhena.vynnytska-myronovska(at)uks.eu

Prof. Dr. Kerstin Junker
Klinik fĂŒr Urologie und Kinderurologie
UniversitÀtsklinikum des Saarlandes
Tel.: 06841 16-14734
E-Mail: kerstin.junker(at)uks.eu

Pressemitteilung
UniversitÀt des Saarlandes, Melanie Löw


-- Download Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung erforscht Resistenzen bei Therapie als PDF --


Reformvorschlag fĂŒr eine Neuordnung des Krankenversicherungssystems

HCHE Research Results live

Wie sieht ein sozial ausgewogenes Krankenversicherungssystem aus? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Veranstaltung HCHE Research Results live, die heute im Hamburg Center for Health Economics stattfindet. Mit dem Titel „Fairer Systemwettbewerb zwischen Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung“ stellen Professor Dr. Mathias Kifmann und Professor Dr. Martin Nell ihren Reformvorschlag zur Neuordnung von GKV und PKV vor. Anschließend diskutieren sie ihren Vorschlag mit Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse, und Dr. Clemens Muth, Vorstandsvorsitzender der DKV AG. Moderiert wird die Veranstaltung, an der rund 100 GĂ€ste teilnehmen, von Professor Dr. Jonas Schreyögg, wissenschaftlicher Direktor des HCHE.

Zahlreiche ReformbemĂŒhungen prĂ€gen die Diskussion um das deutsche Krankenversicherungssystem. Allen gemeinsam ist, dass sie die Abschaffung eines Systems und damit die Schaffung eines einheitlichen Krankenversicherungsmarktes zum Ziel haben. Der neue Reformvorschlag ermöglicht es, dass GKV und PKV nebeneinander bestehen bleiben und zugleich ein fairer Wettbewerb zwischen beiden Systemen entsteht. „Die Versicherten erhalten zudem umfassende Wahlfreiheit und anstelle des heutigen Selektionswettbewerbs tritt ein Leistungswettbewerb“, so Prof. Kifmann, HCHE-Forscher.

Der Reformvorschlag hat fĂŒnf zentrale Punkte:

  • Jeder BĂŒrger zahlt immer den Beitrag zum Gesundheitsfonds.
  • Bei einem Wechsel in die PKV erhĂ€lt der private Krankenversicherer den Beitrag, den auch ein gesetzlicher Krankenversicherer aus dem Gesundheitsfonds erhalten wĂŒrde.
  • Zur Sicherung der Nachhaltigkeit wird ein Teil der Einnahmen des Gesundheitsfonds fĂŒr den Aufbau eines Kapitalstocks verwendet.
  • PKV-VertrĂ€ge werden wie bisher auch als langfristige VertrĂ€ge ohne ordentliches KĂŒndigungsrecht des Versicherers geschlossen. Der Unterschied zum Status quo besteht lediglich darin, dass die erwarteten Leistungen aus dem Gesundheitsfonds in die Kalkulation eingehen.
  • Jeder BĂŒrger hat die Wahl zwischen GKV und PKV – unabhĂ€ngig vom Einkommen.

Kern des Reformvorschlags ist es, dass alle einkommensabhĂ€ngig in den Gesundheitsfonds einzahlen – unabhĂ€ngig davon, ob sie privat oder gesetzlich versichert sind. Dadurch wird erreicht, dass der Solidarbeitrag eines Versicherten nicht mehr von der Wahl des Krankenversicherungssystems abhĂ€ngt. Dieser Solidarbeitrag entspricht der Differenz zwischen dem Beitrag, den ein Versicherter fĂŒr den Gesundheitsfonds zu entrichten hat, und dem Beitrag, der aus dem Gesundheitsfonds an den Krankenversicherer gezahlt wird. Ist die Differenz positiv, was bei Versicherten mit einem hohen Einkommen und einem geringen Krankheitsrisiko der Fall ist, zahlen diese die Differenz als Solidarbeitrag. Personen mit geringem Einkommen und hohem Krankheitsrisiko erhalten dagegen einen Sozialbeitrag in Höhe der Differenz.

Somit kĂ€me dem bestehenden Gesundheitsfonds eine noch zentralere Rolle zu, da auch die PKV-Versicherten darin einzahlen. Die Höhe der Zahlungen an die Kassen bemisst sich derzeit am morbiditĂ€tsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA), der gesetzlich auf 80 berĂŒcksichtigte Vorerkrankungen beschrĂ€nkt ist. Hier sehen die Forscher weiteren Verbesserungsbedarf. „Ein leistungsfĂ€higer Morbi-RSA ist sowohl fĂŒr einen fairen Wettbewerb als auch fĂŒr die Berechnung korrekter SolidarbeitrĂ€ge unverzichtbar. Daher ist die Erweiterung des Morbi-RSA essentiell“, fordert Prof. Nell, Direktor des Instituts fĂŒr Versicherungsbetriebslehre an der UniversitĂ€t Hamburg.

FĂŒr GKV und PKV bedeutet der Reformvorschlag, dass die jeweiligen GeschĂ€ftsmodelle grundsĂ€tzlich beibehalten werden. Die einzige Änderung fĂŒr die PKV besteht darin, dass sie fĂŒr einen Versicherten eine risikogerechte Zahlung aus dem Gesundheitsfonds erhĂ€lt, die in ihre PrĂ€mienkalkulation eingeht, so dass die VersicherungsprĂ€mie und die Höhe der AlterungsrĂŒckstellungen niedriger ausfallen werden. Gleichzeitig erhalten sie jedoch Zugang zu einem riesigen Markt – dem der GKV-Versicherten.

Denn derzeit sind rund 90 Prozent der Bevölkerung GKV-versichert. FĂŒr diese wĂŒrde sich ein Wechsel in die PKV nur noch dann lohnen, wenn sie fĂŒr eine umfassendere Versorgung mehr zu zahlen bereit sind beziehungsweise wenn PrĂ€miensenkungen durch Selbstbehalte oder BeitragsrĂŒckerstattungen bevorzugt werden. FĂŒr gut verdienende GKV-Versicherte ist ein Wechsel rein aus der Überlegung heraus, SolidarbeitrĂ€ge zu sparen, nicht mehr lukrativ. „Private Versicherungen mĂŒssen mit einem attraktiveren Angebot, zum Beispiel bei Leistungen oder der Gestaltung von Selbstbeteiligungstarifen, ĂŒberzeugen – zum Wohle aller Versicherten“, erklĂ€rt Prof. Kifmann.

Über das HCHE

Das Hamburg Center for Health Economics ist ein gemeinsames Forschungszentrum der UniversitĂ€t Hamburg und des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). 2010 gegrĂŒndet, gehört das HCHE heute bereits zu den grĂ¶ĂŸten gesundheitsökonomischen Zentren in Europa. Mehr als 50 Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus Ökonomie und Medizin arbeiten gemeinsam an Lösungen aktueller und kĂŒnftiger Fragestellungen der Gesundheitsversorgung. Als eines von vier gesundheitsökonomischen Zentren in Deutschland erhĂ€lt das HCHE eine Förderung des Bundesministeriums fĂŒr Bildung und Forschung fĂŒr den weiteren Ausbau.

FĂŒr RĂŒckfragen:

Hamburg Center for Health Economics, UniversitÀt Hamburg
Andrea BĂŒkow, Tel.: 040 42838-9515,
E-Mail: andrea.buekow@wiso.uni-hamburg.de

Elena Granina, Tel.: 040 42838-9516,
E-Mail: elena.granina@wiso.uni-hamburg.de
URL: http://www.hche.de


Weitere Informationen:
http://www.hche.de – Hamburg Center for Health Economics, UniversitĂ€t Hamburg

Pressemitteilung
UniversitÀt Hamburg, Birgit Kruse


-- Download Reformvorschlag fĂŒr eine Neuordnung des Krankenversicherungssystems als PDF --


Leberzellkrebs – heilbar bei rechtzeitiger FrĂŒherkennung

Der Leberzellkrebs ist weltweit die fĂŒnfthĂ€ufigste Tumorerkrankung und gehört zu den drei hĂ€ufigsten Todesursachen, die durch Tumore hervorgerufen werden. Er ist Todesursache Nummer 1 bei Patienten mit Leberzirrhose. Ernste Beschwerden treten oft erst im spĂ€ten Stadium auf, meist liegt als Folge einer Lebererkrankung eine Leberzirrhose (Vernarbung des Lebergewebes) vor und der Leberzellkrebs ist dann eine SpĂ€tfolge, bei der im fortgeschrittenen Zustand keine Heilung mehr möglich ist. Doch wenn er frĂŒhzeitig erkannt wird, ist Leberzellkrebs heilbar.

Bei frĂŒher Diagnose kann eine Lebertransplantation als letzter Ausweg zur Heilung fĂŒhren. „Beim Leberzellkrebs haben wir eine einzigartige Situation, weil 90 Prozent der Patienten vorher bekannt sind. Es handelt sich um Hochrisikopatienten mit Vorerkrankungen der Leber“, sagt Prof. Dr. Peter Galle, Projektleiter der Gastro-Liga e.V. und Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik, UniversitĂ€tsmedizin Johannes Gutenberg-UniversitĂ€t Mainz, anlĂ€sslich des 15. Deutschen Lebertages, der am 20. November 2014 stattfindet und von Gastro-Liga e.V., Deutscher Leberhilfe e.V. und Deutscher Leberstiftung organisiert wird. Der Leberzellkrebs treffe nicht unvorbereitet irgendjemanden in der Mitte des Lebens, wie etwa beim Darmkrebs, sondern es seien definierte Patienten, die bereits an einer Hepatitis B- oder C-Virusinfektion leiden oder wegen Alkoholmissbrauchs leberkrank sind.

RegelmĂ€ĂŸige Überwachung notwendig
Durch eine regelmĂ€ĂŸige Überwachung dieser Patienten steigt die Chance, den Leberzellkrebs in einer so frĂŒhen Phase zu erkennen, dass man ihn durch eine Operation oder andere Verfahren heilen kann. TatsĂ€chlich ist es aber genau umgekehrt: 70 Prozent der Erkrankungen werden erst in einem nicht mehr heilbaren Stadium erkannt. Das ist ein deutliches Zeichen fĂŒr eine gravierende Unterversorgung der chronischen lebererkrankten Patienten. Ein Ausweg sind regelmĂ€ĂŸige Verlaufskontrollen der Erkrankung. Das eröffnet die Möglichkeit, Patienten in einer heilbaren FrĂŒherkennungsphase zu diagnostizieren. Es gibt LĂ€nder, die das bereits praktizieren, zum Beispiel Japan. Dort sind die Menschen viel mehr auf Vorsorge ausgerichtet, werden auch dementsprechend erfasst und auch in grĂ¶ĂŸerem Umfange geheilt als in Deutschland oder anderen europĂ€ischen LĂ€ndern.

Als Standardempfehlung gilt: alle sechs Monate alle Patienten mit Leberzirrhose mittels Ultraschalluntersuchung zu kontrollieren. Damit besteht eine gute Chance auf FrĂŒherkennung des Leberkrebses in einem Stadium, in dem eine Heilung noch möglich ist. Patienten, die regelmĂ€ĂŸig ĂŒberwacht werden sollten, sind vor allem solche mit einer Hepatitis B- oder C-Virusinfektion, Fettleber oder Erkrankung aufgrund von Alkoholmissbrauch. In Deutschland haben vor allem Patienten mit Fettleber zugenommen. Viele Menschen mit Übergewicht haben eine Fettleber. Die daraus resultierende große Patientenzahl macht es notwendig, dass diesen Patienten Fragen zu Lebensweise und Leberwerten schon beim Hausarzt gestellt werden sollten. Die Werte sollten regelmĂ€ĂŸig ĂŒberprĂŒft und auch geringfĂŒgig erhöhte vom Facharzt abgeklĂ€rt werden. Dann kann die leitlinienkonforme Überwachung stattfinden.

Lebensprognose bei Tumorpatienten
FĂŒr die Heilung und die Lebensprognose von Leberzellkrebspatienten spielt die GrĂ¶ĂŸe des Lebertumors eine große Rolle. Als KerngrĂ¶ĂŸe gilt: bis zu drei Knoten, die jeweils maximal drei Zentimeter messen oder ein Knoten, der nicht mehr als fĂŒnf Zentimeter misst. Wenn diese GrĂ¶ĂŸe nicht ĂŒberschritten wird, dann kann man noch eine Heilung erreichen. Zur KrebsfrĂŒherkennung eignet sich eine Ultraschalluntersuchung. Dann ist es möglich, den Tumor zu resezieren oder zu veröden oder das erkrankte Organ durch eine Transplantation zu ersetzen. FĂŒr die Zukunft bedeutet eine FrĂŒherkennung in jedem Fall eine Verbesserung der Überlebenschance, denn Leberzellkrebs ist Todesursache Nummer 1 bei Patienten mit Leberzirrhose.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft zur BekÀmpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der ErnÀhrung (Gastro-Liga) e.V.
Prof. Dr. Peter R. Galle
Friedrich-List-Straße 13, 35398 Gießen
geschaeftsstelle@gastro-liga.de
www.gastro-liga.de


Weitere Informationen:
http://www.lebertag.org

Pressemitteilung
Deutsche Leberstiftung, Rita Wilp


-- Download Leberzellkrebs – heilbar bei rechtzeitiger FrĂŒherkennung als PDF --


Nebenwirkungen bei möglicher Anti-Krebs-Strategie gegen Lymphome entdeckt

Das Protein Malt1 ist eine der wichtigsten Schaltzentralen in menschlichen Immunzellen und ein echtes Multitalent. Treten genetische Fehler darin auf, kann das zur Entstehung von LymphdrĂŒsenkrebs (Lymphomen) fĂŒhren. Als möglicher Therapieansatz gilt deshalb, bestimmte Funktionen von Malt1 gezielt zu blockieren und so die Krebszellen zu zerstören. Im Mausmodell zeigten Wissenschaftler der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen (TUM) jetzt aber, dass eine solche Blockade schwere Nebenwirkungen hervorrufen kann.

Das Protein Malt1 ĂŒbernimmt in Immunzellen, so genannten Lymphozyten, viele unterschiedliche Aufgaben. Es wirkt unter anderem als Enzym, als so gennannte Protease, die Botenstoffe abbaut und so deren Menge kontrolliert. Welche Bedeutung die spezielle Protease-Funktion fĂŒr die Entwicklung von Immunzellen hat, war bisher nicht bekannt. Vor einigen Jahren rĂŒckte sie in den Fokus von Prof. JĂŒrgen Ruland und seinem Team vom Klinikum rechts der Isar der TUM.

Blockade als Therapieansatz

Anhand von Zellkulturexperimenten konnten die Wissenschaftler in frĂŒheren Studien zeigen, dass eine Blockade der Protease-Funktion von Malt1 LymphdrĂŒsenkrebszellen absterben ließ. Eine Idee war deshalb, diese Strategie gegen Lymphome einzusetzen, in denen Malt1 hĂ€ufig aufgrund eines genetischen Defekt ĂŒbermĂ€ĂŸig aktiv war. „Es gilt als vielversprechender Therapieansatz, Substanzen zu entwickeln, die gezielt die Protease-Funktion von Malt1 hemmen.“, erklĂ€rt Andreas Gewies, Erstautor der Studie.

Der nĂ€chste Schritt war deshalb, diese Blockade jetzt im Tiermodell zu testen und damit auch die genaue Funktion der Malt1-Protease besser zu verstehen. „Gerade wenn wir die komplizierten Wechselwirkungen im Immunsystem untersuchen wollen, die auf einer hochregulierten Interaktion unterschiedlicher Zelltypen beruht, geht das nur im intakten Organismus und nicht in Zellkulturen. Die AblĂ€ufe sind zu komplex, um sie in Zellen außerhalb des Körpers nachzustellen.“, betont Ruland den Schritt ins Tiermodell.

Unerwartete Wirkungen im Mausmodell

Die verwendeten MĂ€use wurden genetisch so verĂ€ndert, dass ihre Malt1-Proteine nicht mehr als Protease arbeiten konnten, alle anderen Aufgaben aber noch erfĂŒllten. Die Wissenschaftler beobachteten ĂŒberraschend, dass die MĂ€use starke EntzĂŒndungszeichen entwickelten. Zudem wurden wichtige Nervenzellen, die BewegungsablĂ€ufe koordinieren, vom Immunsystem angegriffen und zerstört. Als Folge hatten die Tiere Probleme ihre Bewegungen zu kontrollieren und zu steuern.

Die Wissenschaftler konnten klĂ€ren, wie es zu diesen schwerwiegenden Fehlfunktionen des Immunsystems kam und entdeckten dabei eine unerwartete Funktion von Malt1. Sie fanden heraus, dass MĂ€use ohne die Protease-Funktion eine spezielle Lymphozyten-Untergruppe, die regulatorischen T-Zellen (Tregs), nicht mehr ausbilden konnten. Diese Zellen sind entscheidend fĂŒr die Feinregulation von Immunantworten. Sie sorgen dafĂŒr, dass Immunantworten gebremst und vor allem streng kontrolliert werden. Ohne Tregs gerieten die Immunantworten in den MĂ€usen außer Kontrolle und waren ĂŒbermĂ€ĂŸig stark.

Zudem stellten die Forscher fest, dass normale Lymphozyten zwar ohne die Protease-Funktion von Malt1 aktiviert werden konnten, dann aber unkontrolliert Botenstoffe abgaben, was EntzĂŒndungen hervorrief. „Mit unserer Studie können wir zeigen, dass die Malt1-Protease ĂŒberaschenderweise fĂŒr die Entwicklung der regulatorischen T-Zellen und insgesamt fĂŒr die DĂ€mpfung der Immunantwort wichtig ist. Da die Blockade der Protease-Funktion im Organismus unerwĂŒnschte Wirkungen hervorruft, sollte dringend nach neuen Alternativen fĂŒr die Therapie von Lymphomen gesucht werden.“, fasst Ruland die Ergebnisse zusammen.

Originalpublikation
A. Gewies, Gorka O., Bergmann H., Pechloff K., Petermann F., Jeltsch K. M., Rudelius M., Kriegsmann M., Weichert W., Horsch M., Beckers J., Wurst W., HeikenwÀlder M., Korn T., Heissmeyer V. und J. Ruland, Uncoupling Malt1 threshold function from paracaspase activity results in destructive autoimmune inflammation, Cell Reports, 2014.
DOI: 10.1016/j.celrep.2014.10.044

Kontakt
Prof. Dr. JĂŒrgen Ruland
Institut fĂŒr Klinische Chemie und Pathobiochemie
Klinikum rechts der Isar an der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen
Tel.: +49 89 4140-4751
jruland@lrz.tum.de
www.klinchem.med.tum.de


Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/31898/

Pressemitteilung
Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen, Dr. Ulrich Marsch


-- Download Nebenwirkungen bei möglicher Anti-Krebs-Strategie gegen Lymphome entdeckt als PDF --


Seite 1 von 13512345678910...Letzte »
4 views
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial